Fahrtechnik – Teil 2: So fahre ich auf der Steilpiste

5. Juli 2016 - Katharina Teudt

Zum Skifahren gehört eine ganze Menge Fahrtechnik und Taktik. SnowTrex hat zu diesem vielschichtigen Thema mit Max Holzmann, Ausbildungsleiter des Deutschen Skilehrer Verbandes (DSLV), gesprochen. Im Teil 2 unserer Serie gibt der Staatlich geprüfte Skilehrer wertvolle Experten-Tipps zum sicheren Befahren einer Steilpiste.

Steilpiste fahren ist ein anspruchsvolles Unterfangen. © Jag cz – shutterstock.de

Eine der schwierigsten Pistenformen ist die Steilpiste. Meist schwarz oder zumindest tiefrot markiert, fordert sie mit starkem Gefälle eine sichere und akkurate Fahrweise mit guter Körperbalance und Skiführung. Wer schon einmal an Pisten wie der Harakiri in Mayrhofen oder der Diretissima am Katschberg gestanden und den Steilhang hinunter geschaut hat, wird das kennen: Nervosität und Aufregung machen sich breit. In solchen Momenten ist es gut und richtig, den nötigen Respekt vor dem Steilhang zu haben. Doch dieser Respekt darf nicht in Angst ausarten. Denn mit zu großer Angst und Zögerlichkeit kann niemand eine Steilpiste bezwingen. Zur Beruhigung sei gesagt, dass die Fahrtechnik auf steilen Pisten dieselbe ist wie auf flacheren. Es gilt nur ein paar Dinge zu beachten. Vor allem betrifft das die Tempokontrolle.

Geschwindigkeit dossieren

Im Steilhang gilt: Besser langsam anfahren und dann schneller werden. Denn wer schnell startet, bekommt im Steilhang Probleme, das Tempo wieder zu drosseln. „Bei einer Steilpiste ist die Hangabtriebskraft am stärksten“, weiß DSLV-Experte Holzmann. „Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass eine Piste mit ca. 45 Grad Neigung so steil ist, dass die Fallgeschwindigkeit annähernd so hoch ist wie im freien Fall. Der Schwerpunkt beim Fahren auf steilen Pisten liegt deswegen auf der Tempokontrolle. Man darf nicht zu schnell werden und sollte immer mit Temporeserven fahren. Das größte Gefahrenpotential bei der Steilpiste liegt darin, dass man bei einem Sturz nicht mehr zum Halten kommt.“ Wie auf jeder Piste ist es also auch hier wichtig, die richtige Geschwindigkeit zu finden, bei der man sicher in die Kurve fahren kann.

Schnelle Richtungswechsel, hoher Kantendruck

Ist das Einfahren in den Hang mit gemäßigtem Tempo geglückt, geht es an das ordentliche Kurvenfahren. Die Kunst ist es hier, die Skier schnell über die Falllinie zu drehen und dabei den Außenski kontinuierlich zu belasten. Die Phase ohne Kantendruck beim Schwung sollte so kurz wie möglich sein. „Es gilt, eher im Kurzschwungbereich zu fahren und schnelle Richtungswechsel zu fahren, da diese das Tempo automatisch reduzieren“, so Holzmanns Rat. „Die Skier werden eher aktiv gedreht und kurz auch ins Driften gebracht, als in größeren Kurven auf der Kante zu carven. Denn ein gedrifteter Ski in kürzeren Kurven hat eine höhere Bremswirkung als einer in größeren Kurven.“ Dabei liegt auf dem Außenski immer die stärkere Belastung.

Ordentlicher Kantendruck steuert die Geschwindigkeit und das Drehverhalten in der Kurve. © IM photo – shutterstock.de

Ideal ist es, den Schwung komplett über die Kante und unter kontinuierlich hohem Druck zu führen. Wer das Aufkanten üben möchte, kann sich z. B. auf einer flacheren Piste quer zum Hang stellen und diesen hinunter rutschen. Dabei die Knie Richtung Hang drücken und sich so noch deutlicher auf die Kanten stellen. Je mehr Skibelag man dann von unten sehen kann, desto besser. Das bedeutet, dass die Kante ordentlich in den Schnee greift.

Ist die erste Kurve geschafft, wartet auch schon die nächste. Denn wer zu lange auf einer Kante driftet, verfällt schnell in das unendliche seitliche Rutschen. Beim Kurvenwechsel ist ebenfalls schneller Druckaufbau wichtig, der nur durch die Bewegung nach vorne erzeugt werden kann. Das kostet im Steilhang etwas Überwindung, hilft aber effektiv bei der Ski-Kontrolle bzgl. Tempo und Steuerung.

Zusammenfassung

Steilpisten flößen Respekt ein, müssen aber keinen Angstschweiß hervorrufen. Wer nicht zu schnell in den Hang einfährt und dann eine angemessene Geschwindigkeit findet, fährt die sichere Spur. Souveräne, schnelle Richtungsänderungen über die Falllinie – dazu ordentlicher Kantendruck in kurzen Schwüngen und das Gewicht nach vorn verlagert – sorgen für die nötige Kontrolle. Mit dieser Technik, einer guten Körperspannung und größtmöglicher Konzentration ist auch die noch so stark geneigte Piste gut bezwingbar.

DSLV-Ausbildungsleiter Max Holzmann © Deutscher-Skilehrerverband e. V.

Unser Experte vom DSLV

Max Holzmann ist Staatlich geprüfter Skilehrer und Vorstand Ausbildung im deutschen Skilehrerverband (DSLV). In seinem Verantwortungsbereich liegen die Inhalte der Ausbildungslehrgänge, die jeweiligen Prüfungslevel und Schwierigkeitsgrade in allen Ausbildungsstufen vom Level 1 bis zur staatlich geprüften Skilehrerprüfung, in den Unterrichtsfächern Motorik, Methodik und Theorie.

Mehr zum Thema: Fahrtechnik Teil 1 – So fahre ich vorausschauend und sicher

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