Fahrtechnik – Teil 1: So fahre ich vorausschauend und sicher

28. Juni 2016 - Katharina Teudt

Zum Skifahren gehört eine ganze Menge Fahrtechnik und Taktik. SnowTrex hat zu diesem vielschichtigen Thema mit Max Holzmann, Ausbildungsleiter des Deutschen Skilehrerverbandes (DSLV), gesprochen. Im Teil 1 unserer Serie gibt der Staatlich geprüfte Skilehrer wertvolle Experten-Tipps zum umsichtigen Fahren im Sinne der FIS-Pistenregeln.

Auf Schautafeln kann jeder die Pistenregeln vor Ort studieren. © DSV aktiv Ski- & Sportmagazin

Beim Skifahren gibt es viel zu beachten. Dabei ist ein wichtiger Aspekt der richtigen Fahrtechnik, das eigene Sportgerät zu beherrschen. Darüber hinaus ist es unerlässlich, die Pisten-Situationen aufmerksam zu beobachten, richtig einzuschätzen, die Geschwindigkeit anzupassen und noch einiges mehr. Nur dann ist ein gefahrfreier Wintersport möglich.

Einen prägnanten Überblick über die wichtigsten Verhaltensweisen geben die 10 FIS-Pistenregeln, die grundsätzlich das Verhalten auf der Piste vorgeben. Sie sind präzise, aber auch sehr knapp beschrieben. Hinter den wenigen Sätzen steckt vieles, das es zu beachten gilt, um ein gefahrfreies Miteinander auf den Pisten zu gewährleisten. Unser DSLV-Experte erklärt, was nur zwischen den Zeilen der FIS-Pistenregeln zu lesen ist.

Geschwindigkeit und Spur kontrollieren

Safety first! Das gilt auch auf der Piste. Sie ist vergleichbar mit einer Straße und Wintersportler sind Verkehrsteilnehmer. Hier wie dort ist die angemessene Geschwindigkeit ein Garant für hohe Sicherheit im Verkehr. „Wenn einer zu schnell fährt, kann er die Spur nicht mehr kontrolliert halten“, erklärt Skilehrer Holzmann. „Man sollte immer nur so schnell fahren, dass die Richtung gehalten und das Gleichgewicht sicher kontrolliert werden kann.“ Die Tempokontrolle gehört zu den wichtigsten Regeln des Skifahrens und ist auch unter Punkt 2 der FIS-Regeln zu finden. Wer zu schnell fährt, verliert schneller die Kontrolle über sein Sportgerät und bringt sich und andere in Gefahr.

Formationfahren übt das kontrollierte und umsichtige Fahren. © Deutscher Skilehrerverband e.V

Die Kontrolle gilt es auch bei der Wahl der Spur zu behalten – Punkt 3 der FIS-Regeln. Der Fahrer sollte die Skier kontrollieren und nicht die Skier den Fahrer. Der Tipp unseres Experten: „Kontrolliertes Spurhalten kann man sehr gut trainieren, in dem man z. B. zu zweit versucht, nebeneinander zu fahren und immer denselben Abstand zu halten.“

Richtung-Tempo-Gleichgewicht

„Die oberste Prämisse beim Pistenfahren besteht aus diesem harmonischen Dreiklang: Richtung, Tempo und Gleichgewicht“, fasst Holzmann zusammen. „Jeder sollte diese drei Eigenschaften sicher kontrollieren können. Wenn man dann noch im Hinterkopf hat, dass es auch andere Skifahrer gibt, auf die Rücksicht zu nehmen ist, dann kann fast nichts mehr passieren.“

Subjektive und objektive Gefahren bannen

Rücksicht auf andere zu nehmen ist nicht umsonst die 1. FIS-Regel: Neben der eigenen Fahrweise gilt es, auch auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten. Was nicht explizit in den Regeln steht sind die zwei Arten von Gefahren auf der Piste: die subjektive und die objektive Gefahr. Holzmann erklärt: „Die subjektive Gefahr geht vom Skifahrer selbst aus, die sein Fahrkönnen und Verhalten betrifft. Dann gibt es noch die objektive Gefahr, wie beispielsweise Eisplatten auf der Piste, Gegenstände wie Steine unter dem Schnee, die man nicht sieht, oder von der Seite kommende Skifahrer, die man einkalkulieren können muss. Beide Gefahren gilt es realistisch einzuschätzen und zu vermeiden, um einen sicheren Pistenverkehr zu gewährleisten.“

Schwarz ist nicht gleich Schwarz

Zu den wichtigen Prämissen beim Skifahren gehört auch, dass man vor der Pistenwahl die allgemeinen Wetterbedingungen berücksichtigt. Grundsätzlich gelten die Pisteneinteilungen – blau für einfach und flach, rot für mittleres Gefälle und schwarz für steil und anspruchsvoll. „Es gibt aber auch Tage, da sind schwarze Pisten eher rot und es gibt Tage, da sind rote Pisten eher tiefschwarz“, schränkt Skiexperte Holzmann direkt ein. „Das hängt von der Schneebeschaffenheit und der Sicht ab. Wenn es gefriert und eine Eisschicht auf der Piste liegt, sind auch rote Pisten kaum zu bewältigen. An Pulverschneetagen hingegen ist es durchaus auch dem Beginner möglich, eine schwarze Piste zu befahren, sofern der Schnee griffig und etwas stumpf ist, sodass er etwas abbremst.“ So können unter Umständen auch Anfänger eine schwierigere Piste befahren.

Skischulkinder üben das umsichtige Fahren, indem sie sich z. B. an den Händen halten. © Deutscher Skilehrerverband e.V

Anders herum gilt größte Vorsicht bei schweren Bedingungen wie Nebel oder harschigen Pisten. Hier sollte sich auch ein Fortgeschrittener gut überlegen, ob er die rote Abfahrt nehmen kann. Diese Varianz zeigt, dass gerade die angemessene Umsicht und eine gesunde Einschätzung des eigenen Fahrkönnens wichtig sind für die Wahl der Spur.

Anhalten und Haltepunkt wählen

Eine weitere FIS-Regel lautet: Anhalten und Pausieren darf man nur am Rand der Piste. Was die Regel nicht explizit aussagt, darauf weist uns Holzmann hin: „Man sollte niemals abrupt anhalten. Unvermitteltes, schnelles stoppen mit starker Richtungsänderung überrascht andere Skifahrer und es besteht ein hohes Gefahrenpotential. Man muss berücksichtigen, dass nachfolgende Skifahrer nicht immer damit rechnen, dass jemand anhält. Daher gilt es, das Tempo sukzessive zu verringern und sich so dem Pistenrand anzunähern.“ Holzmann betont auch, dass der Haltepunkt beim Anhalten wichtig ist. Man sollte niemals mitten auf der Piste stehen bleiben. Pausen werden nur am Rand einer Piste eingelegt. Genauso aufmerksam sollte man beim Anfahren sein. Erst die Piste rauf schauen und sich des nahenden Verkehrs vergewissern, dann langsam anfahren. Manche Pisten sind leicht gewellt: Sie besitzen flache Passagen, die dann wieder ansteigen und eine Art Hügel bilden. Die Piste hinter solch einem Übergang kann man nicht einsehen, bevor man nicht am Scheitelpunkt des Hügels angekommen ist. Also gilt: Immer vor dem Übergang anhalten und sich einen Überblick über die Situation dahinter verschaffen. Niemals hinter der Kuppe anhalten, denn dann können einen die nachfolgenden Fahrer nicht sehen.

Zusammenfassung

Skifahrer sind Teilnehmer im Pistenverkehr. Sie müssen auf ihre eigene Fahrweise und die der anderen achtgeben und sollten eine ihrem Fahrkönnen angemessene Geschwindigkeit fahren. Die Wetterlage und Pistenbeschaffenheit sollte immer mit einkalkuliert werden. Nur langsam und am Pistenrand anhalten. Wer nicht zu schnell und umsichtig fährt und auf die Gegebenheiten der Piste und seine Mitfahrer achtet, ist ein sicheres Skivergnügen gewährleistet.

Max Holzmann, Vorstand Ausbildung DSLV © Deutscher Skilehrerverband e. V.

Unser Experte vom DSLV

Max Holzmann ist Staatlich geprüfter Skilehrer und Vorstand Ausbildung im deutschen Skilehrerverband (DSLV). In seinem Verantwortungsbereich liegen die Inhalte der Ausbildungslehrgänge, die jeweiligen Prüfungslevel und Schwierigkeitsgrade in allen Ausbildungsstufen vom Level 1 bis zur staatlich geprüften Skilehrerprüfung, in den Unterrichtsfächern Motorik, Methodik und Theorie.

Mehr zum Thema: Fahrtechnik – Teil 2: So fahre ich auf der Steilpiste

Fahrtechnik – Teil 3: So fahre ich auf der Buckelpiste

Fahrtechnik – Teil 4: So fahre ich im Tiefschnee

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