Vom Holzscheit zum Hightech-Sportgerät: Die Geschichte des Skisports

10. September 2013 - Nina Vogt

„Telemark“ – das ist nicht nur die Bezeichnung einer Skitechnik. Nein es ist viel mehr. Denn Telemark, so heißt auch die südnorwegische Landschaft, in der der Skisport überhaupt erst entstanden ist. Auch das Wort „Ski“ kommt aus dem Norwegischen und bedeutet so viel wie „Scheit, gespaltenes Holz“. Einer Sage nach sollen bereits im Jahre 1206 skilaufende Soldaten unterwegs gewesen zu sein, um den norwegischen Königssohn in Sicherheit zu bringen.  Um 1870 erschienen in Norwegen erste Anleitungen zum Skifahren und es gab in der Armee erste Ski-Einheiten.

Die zunehmende Beliebtheit des Skisports in Norwegen sowie die Grönland-Durchquerung Fritjof Nansens im Jahre 1888 führten um die  Jahrhundertwende in Mitteleuropa zu einem wahrhaftigen Ski-Boom. Förster hatten vorher bereits Skier genutzt, um z. B. Sturmschäden zu kontrollieren. Nun aber wurden die ersten Skivereine gegründet: 1891 in Todtnau (Deutschland), 1893 in Glarus (Schweiz) und 1901 in St. Christoph am Arlberg (Österreich). Skandinavische Studenten vermittelten das Erlernte, jedoch veränderte sich aufgrund der steileren Hänge der Alpen der zunächst angewandte Telemark-Schwung schnell in Richtung eines Stemmschwungs.

Der Österreicher Mathias Zdarsky gilt als Begründer der alpinen Skilauftechnik wie wir sie heute kennen. Er entwickelte verkürzte und taillierte Skier sowie eine Stahlsohlenbindung mit seitlichem Halt. Damit wurden kurvige Schwünge möglich, mit denen alpines Gelände befahren werden konnte. Sein Lehrbuch erschien 1897 und galt damals als wegweisend.

 

© Deutscher Skiverband, Deutsches Skimusem Planegg

Ab 1920 nahm in den Alpen die Begeisterung für Skisport stark zu. Neue Eisenbahnlinien brachten Touristen schneller in die Berge. Hannes Schneider gründete im Winter 1920/21 die erste Skischule Österreichs in St. Anton am Arlberg. 1925 richtete er zusammen mit dem Engländer Arnold Lunn das erste Arlberg-Kandahar-Rennen aus. Den jährlichen Wettbewerb gibt es noch heute. Er wirkte außerdem mit in diversen Kinofilmen, die das Skilaufen einem breiten Publikum nahe brachten. Durch Schneiders Buch „Wunder des Schneeschuhs“ gelangte sein Ruhm bis nach Japan.

Der Internationale Skiverband FIS wurde 1926 in Chamonix (Frankreich) gegründet. 1931 fanden dann in Mürren (Schweiz) die ersten alpinen Skiweltmeisterschaften statt. Olympische Disziplin wurde der Skilauf 1936 bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen.

Der erste Skilift wurde 1908 im Hochschwarzwald im Ort Schollach gebaut. Die Skiläufer mussten sich damals noch mit Hilfe spezieller Zangen am Zugseil festhalten. Wesentlich komfortabler war da schon der 1934 in Davos in Betrieb genommene, erste moderne Bügellift, dem die heutigen Ankerlifte noch sehr ähneln.

Als bahnbrechende Innovation galt in den 1930er Jahren die Entwicklung des Parallelschwungs durch Anton Seelos. Er verbreitete die neue Technik später auch als Trainer der deutschen und französischen Nationalmannschaften. Sie wird heute noch angewendet, um Buckelpisten und Tiefschneehänge zu befahren.

Ab den 1950er Jahren entwickelte sich der alpine Skilauf zum Breitensport. Skipisten mit Liften und Seilbahnen wurden verstärkt erbaut, dazu Skihütten, Pensionen und Hotels. Das Skimaterial wurde im Laufe der Jahre kostengünstiger und sicherer. Das traditionelle Skifahren auf 2 Brettern aus Holz hat sich im Laufe der Jahrzehnte enorm weiterentwickelt. Und das nicht nur aufgrund des modernen Materials. So viele Abwandlungen des traditionellen Skisports sind bis heute dazu gekommen: So wird der Skifahrer beim Heliskiing beispielsweise per Hubschrauber abseits der üblichen Pisten abgesetzt, beim Skijöring lässt man sich per Pferd oder Auto ziehen und beim Snowkiting wird ein Zugdrachen eingesetzt. Statt simpler Skier kommen Snowboard, Monoski, Skibob oder Snowscooter zum Einsatz.

 

© Deutscher Skiverband

Genau wie sich der Ski als Sportgerät im Laufe der Zeit veränderte, erfuhr auch die Skibekleidung einen großen Wandel. In den 1920er Jahren waren die meisten Kleidungsstücke aus Wolle gefertigt. „Mann“ trug eine Wollfilzhose, Lodenjanker, Gamaschen und Lederschuhe. In den 1980er Jahren gab es Overalls, gesteppte Nylonjacken und die eng anliegenden Jethosen. Die aktuelle Bekleidung besteht aus wahren Hightech-Materialien – wind- und wasserdicht, dazu noch atmungsaktiv. Die Woll- oder Pelzmütze ist dem Helm gewichen.

Seit den Anfängen in Norwegen hat sich die Zahl der Wintersportbegeisterten enorm vervielfacht, so dass es heute allein in Deutschland rund 8 Mio. Skifahrer gibt. Skifahren steht für Bewegung an frischer Luft, Freiheit und geselligen Après-Ski. Der Wintersport-Tourismus hat für viele Länder und Regionen eine große, wirtschaftliche Bedeutung. Für seine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung gilt es nun Konzepte zu entwickeln, die die Bedürfnisse und Ansprüche der Wintersportler mit Klimawandel und Naturschutz vereinen.

 

Quellen:

www.wdr.de

www.zeit.de

www.gentlemansgazette.com/de

www.focus.de

www.n-tv.de

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