Die erste Spur – der Traum von unberührten Pisten

18. März 2013 - Gudrun Schlösser

Dass es in den Bergen schneien kann, ist allseits bekannt und auch gut so. Jeder möchte schließlich optimale Bedingungen für seinen Skiurlaub vorfinden. Weniger begeistert dürften die meisten Wintersportler allerdings sein, wenn es während des eigenen Skiurlaubs unaufhörlich schneit und Skifahren eventuell nur eingeschränkt möglich ist. Man wünscht sich doch Sonne, blauen Himmel und trotzdem super Schneeverhältnisse. Allenfalls kann man sich nachts oder abends mit Schneefall anfreunden. Neuschnee hat jedoch auch seine guten Seiten und macht Fahrerlebnisse möglich, bei deren Vorstellung allein mancher Skifahrer in Ekstase gerät. Das Gefühl über völlig unberührte Pisten mit frischem Pulverschnee zu fahren ist einzigartig. Für solche Bedingungen muss man natürlich bereit sein die Nacht etwas früher zu beenden – aber es lohnt sich, wie ich aus eigener Erfahrung beurteilen kann. Als das Tal noch verschlafen in Nebelwolken gehüllt da lag und die Sonne sich langsam durch die Wolkendecke zu kämpfen schien, machte ich mich bereits auf ins Skigebiet. Tags zuvor und die ganze Nacht hatte es unaufhörlich geschneit, der Ausblick auf die Berge war nicht sonderlich einladend und die Menschenmassen an der Talstation suchte ich vergebens. Aber man weiß nie, wie das Wetter auf dem Berg tatsächlich ist. Der Schnee würde hervorragend sein – da war ich mir sicher. Die Sicht war letztendlich gar nicht so eingeschränkt, auch wenn die Anzahl geöffneter Pisten überschaubar war. Bereits beim Warmfahren auf der Piste machte sich in mir ein Hochgefühl breit. Als erster über eine frisch präparierte Piste zu fahren und seine eigene Spur im Schnee zu hinterlassen ist einfach perfekt. Die Ski gleiten völlig mühelos durch den Schnee, man ist ganz allein mit der Natur und genießt die Ruhe. Schaut man zurück, sind nur die eigenen Kurvenlinien sichtbar – toll! Für noch mehr Hochgenuss sorgt jedoch ein unberührter Tiefschneehang. Ich hatte Glück und die Freeridehänge waren geöffnet, die Sicht wurde besser. Die Chance musste ich nutzen. Vom Lift aus sah man nur „weiß“. Ein absolut jungfräulicher Hang lag vor mir.  Zunächst tastete ich mich langsam in die Piste hinein. Lautlos glitten die Ski über beziehungsweise eher durch den Schnee, denn ich war bis zu den Knien eingesunken. An der Kuppe blieb ich kurz stehen, blickte über die Berge und die Piste, die vor mir lag wie ein weißes Blatt Papier. Noch einmal durchatmen. Skispitzen talwärts, Fahrt aufnehmen und dann „schöne“ Kurven fahren. Man will schließlich ein schönes, gleichmäßiges Bild im Schnee hinterlassen. Das Gefühl dabei ist unbeschreiblich. Mit jedem Schwung wirbelt mehr Schnee auf und man wird von seiner eigenen Schneewolke beschneit. Gigantisch! Mein Körper setzte so viel Adrenalin frei, dass mich ein absolutes Glücksgefühl überkam. Nur leider sind die Abfahrten immer zu kurz. Unten angekommen blieb ich stehen und schaute zum Berg. Das ist meine Spur! Wahnsinn! Die Erinnerung alleine zaubert mir schon ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Erlebnis rechtfertigt jedes frühe Aufstehen. Da wünscht man sich fast jeden Tag Schneefall… Wer nicht einmal als erster seine Spur in den Schnee gezeichnet hat, sollte das unbedingt nachholen. Ich kann versprechen, jeder wird begeistert sein und mehr wollen! Es muss ja nicht gleich der Freeridehang sein, auch auf einer frisch präparierten Piste ist es ein Erlebnis! Einige Skigebiete im gesamten Alpenraum bieten sogar spezielle Aktionen u. a. mit „Early-Bird Tickets“ inklusive Bergfrühstück an. Die Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis beispielsweise bietet ein spezielles Paket, mit der Garantie die erste Spur in den Schnee zu fahren, an. An nur drei Tagen Ende April werden Frühaufsteher am Hintertuxer Gletscher reichlich belohnt, denn dann öffnet die Bergbahn bereits um 07:45 Uhr. Ein ähnliches Angebot macht die Zillertal Arena von Mitte März bis Mitte April, jungfräuliche Pisten garantiert. Aber auch Zermatt in der Schweiz, Tignes in Frankreich oder Alta Badia in Südtirol, um nur ein paar Skigebiete zu nennen, haben sich einiges einfallen lassen, um ihren Gästen dieses tolle Pistenerlebnis zu ermöglichen. Es braucht jedoch nicht zwangsläufig spezielle Angebote der Skigebiete. Für den Spaß der frisch präparierten Pisten reicht frühes Aufstehen. Für den perfekt verschneiten Pulverschneehang braucht es einfach das berühmte Quäntchen Glück.

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