Die Bretter brauchen Pflege: Ski und Board selbst wachsen

28. Januar 2014 - Nina Vogt

„Ein gut gewarteter und gepflegter Ski ist einfacher zu fahren und dabei auch besser zu kontrollieren“, sagt Andreas König, Sicherheitsexperte beim Deutschen Skiverband (DSV). Drum prüfe, wer in den Skiurlaub fährt, ob auch der Ski oder das Snowboard bereits fit ist für die Piste, nicht nur der Besitzer. Wer Stress am ersten Urlaubstag vermeiden möchte, der bringt die Bretter bereits vor dem Urlaub auf Vordermann. Nie schaden kann ein großer Service bei einem Fachgeschäft, das den Belag ausbessert und wachst und die Kanten schleift. Erledigen kann man diese Pflege mit dem richtigen Equipment auch selbst. Die wichtigsten Handgriffe sollte man zumindest aber für die regelmäßige Nachbesserung beherrschen.

Denn die ist oft noch im Urlaub notwendig. Der Grund: Gerade durch den Einsatz von Kunstschnee sind die Pisten oft so hart, dass der Kantengriff bereits nach wenigen Fahrten nachlässt. Die Kunstschneeoberfläche verhält sich dem Belag der Bretter gegenüber wie Schleifpapier. Der Belag wird faserig. Experten empfehlen, im Urlaub ca. alle 3 Tage nachzuwachsen. Das macht das Brett schneller und drehfreudiger. Gerade bei Neuschnee verstärkt sich die Bremswirkung bei stumpfen Skiern oder Snowboards. Abgenutzte Kanten vermindern zudem den Halt auf eisigen und harten Pisten.

Für einen perfekten Tag auf der Piste sind auch gut präparierte Skier wichtig. © DSV aktiv Ski- & Sportmagazin

Was heißt das also für den Winterurlauber? Dass in den Koffer ein kleines Equipment gehört. Denn mit etwas Übung und dem richtigen Material kann jeder seine Bretter selbst wachsen, sogar kleine Beschädigungen im Belag ausbessern. Sind solche vorhanden, sollte dies der erste Schritt bei der Skipflege sein. Um kleine Macken wieder aufzufüllen braucht es eine Kupferbürste, eine Repair Candle und eine Karosseriefeile. Die Vorgehensweise: Man startet mit dem Reinigen der Lauffläche mit Hilfe der Kupferbürste. Anschließend wird die Repair Candle angezündet, damit sich ihr Material verflüssigt. Tröpfchenweise wird es auf die beschädigte Stelle aufgetragen. Ist diese gefüllt, kann die Kerze gelöscht werden. Das Material muss ca. 20 Minuten lang aushärten. Überstehendes Material kann man anschließend mit der gerade aufgelegten Karosseriefeile entfernen. Für den abschließenden Feinschliff sorgt erneut die Kupferbürste oder feines Schmirgelpapier.

Ist der Belag frei von Beschädigungen, kann er gewachst werden. Das nötige Material: eine Kupfer- oder Bronzebürste, ein alter Lappen, passendes Wachs, ein Bügeleisen und eine Abziehklinge. Dampfbügeleisen sind für das Wachsen nicht geeignet! Stattdessen ist es wichtig, dass die Temperatur einstellbar ist und vor allem konstant. Optimaler Weise verwendet man ein Wachsbügeleisen.

Der erste Schritt beim Wachsen ist das Entfernen des alten Wachses und anderer Schmutzpartikel von der Lauffläche. Das klappt mit der Kupferbürste, mit der das Brett in Laufrichtung – sprich von der Spitze zum Ende – abgebürstet wird. Mit dem Lappen werden kleine Schmutzpartikel abgewischt. Das Bügeleisen einschalten und den Wachsblock damit schmelzen. Das Wachs lässt man auf die Lauffläche tropfen und bügelt es anschließend gleichmäßig mit dem Bügeleisen ein. Wichtig: Die Temperatur liegt optimaler Weise bei 120 bis 130 Grad. Ist das Bügeleisen zu heiß eingestellt oder hält es die Temperatur nicht konstant, droht der Belag beschädigt zu werden. Beim Einbügeln des Wachses sollte man zudem keinen zu starken Druck ausüben, sondern das Eisen gleichmäßig über die Lauffläche ziehen. Das Wachs sollte anschließend mindestens 30 bis 60 Minuten auskühlen und erhärten. Erst dann kann überschüssiges Wachs mit der Abziehklinge in Fahrtrichtung von Lauffläche und Kanten abgezogen werden. Im letzten Schritt legt man die Struktur der Skier oder des Boards wieder frei, indem man noch einmal mit der Kupferbürste darüber geht. Das verhindert das Festsaugen der Bretter am Schnee.

Zu beachten gilt es, dass das Brett beim Wachsen nicht zu kalt ist. Lagert es also beispielsweise in einem kühlen Keller, sollte es einige Stunden vorher in die warme Wohnung geholt werden. Denn nur im warmen Zustand öffnen sich die Poren des Materials, damit das Wachs tief genug eindringen kann.

Eine grundlegende Frage, die man sich vorab stellen muss, ist natürlich die nach der Wachssorte. Davon gibt es schließlich die verschiedensten auf dem Markt. Die Faktoren, die bei der Auswahl zu berücksichtigen sind, sind diese: Feuchtigkeit, Schneekörnung, vor allem aber die Temperatur. Daher findet man auf den Wachspackungen Temperaturangaben. Meist gibt es 3 Sorten: für warme Temperaturen um den Gefrierpunkt, mittlere bis -10 Grad und kältere. Wer seine Bretter bereits einige Zeit vor dem Urlaub wachsen möchte, der geht mit der Wahl von Wachs für mittlere Temperaturen oder Universalwachs auf Nummer sicher.

Neben dem klassischen Heißwachs gibt es übrigens auch Flüssig- und Expresswachs für das schnelle Nachbessern zwischendurch. Natürlich sind diese schneller und mit weniger Equipment aufzutragen, der Nachteil ist jedoch, dass sie sich schneller abnutzen.

Doch woran erkenne ich eigentlich, wann mein Board oder meine Skier Wachs benötigen? Entscheidend ist einerseits das Fahrgefühl. Rutschen die Bretter nicht mehr optimal? Oder bleiben sie auf dem Schnee kleben? Gut mit Wachs gesättigter Belag hat zudem eine intensive Farbe. Wird er also „blass“, ist es Zeit nachzulegen.

Wer auch seine Kanten selbst schleifen möchte, der benötigt schon mehr Equipment, daher greifen viele dabei auf die Hilfe eines Fachgeschäftes zurück. Benötigt werden Weltcupfeile, Aluoxyd-Schleifstein, Feilenhalter, Winkel, Klemme, Diamantfeile sowie ein Schraubstock zum Befestigen. Geschliffen wird dann erst die Außenkante an der Belagseite, für die man einen Winkel von 88 Grad benötigt. Die Feile wird dafür im Feilenhalter geführt. Anschließend werden mit dem Schleifstein Verhärtungen an den seitlichen Kanten beseitigt und zuletzt auch die Seitenkanten geschliffen: Mehrmals wird dabei mit der Feile in Laufrichtung mit leichtem Druck über die Kanten gefahren. Zum Abschluss werden die Kanten noch mit der Diamantfeile poliert.

Mit einem Schleifgummi kann man an den Kanten nachhelfen. © DSV aktiv Ski- & Sportmagazin

Auch dafür gibt es übrigens eine Express-Lösung für zwischendurch: Mit einem Schleifgummi lässt sich bereits ein wenig nachhelfen.

Wachsen, Kanten schleifen – alles schön und gut. Hilfreich ist es jedoch, wenn die Skier oder das Board nicht nur gepflegt, sondern auch pfleglich behandelt werden. Nach dem Gebrauch sollte man sie idealer Weise beispielsweise mit einem Baumwolllappen abtrocknen. Wer Skiclips oder -riemen benutzt, die an Skiende und -spitze sowie oberhalb der Bindung befestigt werden, verhindert, dass der Belag scheuert. Last but not least sollte man die Skier nicht auf das Skiende schlagen, um den Schnee zu entfernen. Dadurch können im Endbereich Grate entstehen.

Wer all diese Ratschläge berücksichtigt, für den sollte einem perfekten Pistentag nichts mehr im Weg stehen!

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