Skifahren auf Gras?

14. August 2008 - SnowTrex

Ja, das gibt es wirklich – und zwar ohne einschlägige Drogen. Im Jahr 1960 hat sich der Deutsche Josef Kaiser überlegt, dass es doch auch mal schön wäre im

Sommer Ski zu fahren. Doch ohne Schnee schien das zunächst nicht so einfach. Er hat sich jedoch eine gute Lösung einfallen lassen. Das Grasskifahren. Die Ski sind 60 bis 100 cm lang und etwa 12 cm hoch. Außerdem bestehen sie aus 2 Rollen, die über eine Achse miteinander verbunden sind. Darüber läuft der sogenannte Belag. Dies ist ein Gurt mit Gleitelementen. Die Bindung und Schuhe sind die gleichen, die wir aus dem alpinen Skisport kennen. Doch nutzt man diese Ski nicht um beschneite Pisten herunterzufahren, sondern um gemähte Wiesen herunterzubrausen. Natürlich wurde die Technik bis zum heutigen Tage noch verfeinert und wird es auch für die Zukunft.

Eigentlich sollte das Grasskifahren als Sommertraining für die alpinen Skifahrer dienen, doch konnte es sich dort nicht durchsetzten. Stattdessen ist eine neue Sportart entstanden, in der es

Weltmeisterschaften, Weltcuprennen und nationale Wettbewerbe gibt. Momentan wird sogar geprüft, ob diese Sportart eventuell eine olympische Disziplin werden soll. Seit mehr als 20 Jahren ist Grasski bereits in den Internationalen Skiverband (FIS) integriert. Über den FIS werden auch die Regeln für die Wettkämpfe bestimmt. Sie sind den alpinen Skiregeln sehr ähnlich. Es gibt, wie beim alpinen Skisport auch, die Disziplinen Slalom, Riesenslalom, Super G, Abfahrt und Parallelwettbewerbe.

Die Technik und die Schwünge sind mit denen der alpinen Skifahrer identisch, es kann allerdings verständlicherweise kein Pflug gefahren oder seitwärts gerutscht werden. Das bedeutet, dass

Grasskifahren sehr dem Carven ähnelt. Da nicht wie beim alpinen Ski abgebremst werden kann, sind die Hänge in der Regel deutlich flacher, denn um zum Stillstand zu kommen, muss man in einer Kurve abschwingen und letztlich ausrollen. Dadurch können sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich daher unbedingt ein Sturzhelm, ferner auch Handschuhe und Skibrille.

Die Profisportler kommen größtenteils aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Tschechien und

Japan. Aber auch Iraner, Chinesen und Australier und viele mehr sind begeisterte Grasskifahrer. Schon bei der WM 1993 waren bereits 19 Nationen am Start. Bei den Damen ist momentan die Österreicherin Ingrid Hirschhoffer kaum zu schlagen und bei den Herren führt ebenfalls ein Österreicher das Gesamtklassement an: Michael Stocker. Zudem gibt es auch noch einen Juniorencup. Auch hier führt eine Österreicherin namens Jaqueline Gerlach. Bei den Jungen führt der Tscheche Lukas Kolouch.

Die Rennsaison dauert von Mai bis Oktober. Die Weltcuprennen

finden vom 7.8. bis 31.8.2008 im Iran, in der Schweiz und in Italien statt. Aber auch Japan, Lettland, Deutschland und die Slowakei sind Gastgeber. Grundsätzlich kann überall dort gefahren werden, wo es grasbewachsene Hänge gibt. Es gibt zum Beispiel in Hamburg und Berlin Grasskirennen. Besonders vorteilhaft für die Athleten ist ein Skilift, der wie im Bild nebenan zu sehen, auch im Sommer betrieben werden kann. Alternativ werden mitunter auch transportable Babylifte aufgestellt.

Falls Sie jetzt neugierig auf Grasskifahren geworden sind, dann schauen Sie doch einfach mal bei einem der Rennen vorbei. Oder besuchen Sie eines der Trainingszentren der Grasskifahrer in ganz Europa. Am 20.-21.09.08 findet zum Beispiel das Deutschland-Cup-Finale in Floss statt. Weitere Rennen finden vom 17.-19.10. in Nakoyama-Mima-City in Japan statt. Dort kann jeder Einsteiger oder Zuschauer mal ausprobieren, wie es so ist auf Gras Ski zu fahren. Im Prinzip ist es so wie Skifahren auf Schnee, nur statt gleiten muss man rollen.

Als Anschaffungspreis für die Rollski sollte man mit etwa 300- knapp 500 € rechnen, als Hersteller hat sich hier Speedy

Jack einen Namen gemacht. Wer nicht soviel ausgeben möchte, hat natürlich auch die Möglichkeit, sich gebrauchtes Material zu besorgen. Wichtig bei dieser Sportart ist insbesondere die Pflege des Sportgeräts, soll heißen, dass die Rollen nach jeder Benutzung gereinigt und auch regelmäßig geölt werden sollten.

Wer auf dem ganz flachen Land wohnt und vergeblich nach einem Hügel sucht, kann sich auch einen

Kiteschirm vor die Grasski spannen und los geht`s! Die Kombination aus Kitedrachen und Grasski ist übrigens nicht ungewöhnlich, die beiden Sportgeräte harmonieren sehr gut, da die Skier auch bei höheren Geschwindigkeiten ausreichend stabil im Lauf sind und zudem wendig genug für plötzlich Richtungswechsel beim Kiten.

Also viel Spaß beim Ausprobieren und Ski heil auch im Sommer!

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