Bergpanoramen richtig fotografieren

31. März 2016 - Katharina Teudt

Fotos sind immer eine tolle Erinnerung an den Skiurlaub. Es bedarf nur ein paar einfacher Tricks, um trotz der schwierigen Lichtverhältnisse im Schnee schöne Aufnahmen zu zaubern.

Mit ruhiger Hand und den richtigen Voreinstellungen lassen sich tolle Bilder knipsen.© Alexander Chaikin – shutterstock.de

Prächtige Gipfelketten, weite Landschaften und außergewöhnliche Lichtverhältnisse im Schnee – das macht das Fotografieren in den verschneiten Bergen sowohl anspruchsvoll als auch einmalig. Die Erinnerungen an den letzten Skiurlaub kann man wunderbar in stimmungsvollen Fotos festhalten. Um diese Motive von ihrer besten Seite einzufangen, bedarf es nicht unbedingt einer hochwertigen Spiegelreflex-Kamera. Selbst mit dem Smartphone oder einer Pocketkamera lassen sich ungeahnt schöne Resultate erzielen. Man muss nur wissen, wie.

Tipp 1: Motiv wählen

Zunächst geht es um die richtige Auswahl des Motivs. Jedes Bild hat eine Aussage. Man sollte sich bewusst machen, was das Bild dem Betrachter mitteilen soll. Was ist im Vordergrund, was im Hintergrund zu sehen? Ist zum Beispiel der Hintergrund zu präsent, lenkt er vom eigentlich gewünschten Fokus im Vordergrund ab. Man sollte also das Motiv mit ausreichend Bedacht wählen.

Tipp 2: Bildaufbau bedenken

Es geht nicht nur darum, was im Bild zu sehen ist, sondern auch, wo es im Bild platziert ist. Ein harmonisch wirkendes Motiv folgt bestimmten Regeln. Eine sehr hilfreiche ist beispielsweise der „Goldene Schnitt“. Dabei handelt es sich, stark vereinfacht ausgedrückt, um ein Teilungsverhältnis, das in der bildenden Kunst die ideale Bildkomposition ausmacht. Dieses Prinzip gilt auch in der Fotografie. Das Bild wird dafür in zwei Hälften unterteilt, wobei die Teilung ungefähr bei einem Verhältnis von 1:3 durch das Bild verläuft. Die konkrete Formel lautet: Eine Strecke A verhält sich zu B wie A zur Gesamtlänge von A + B. Somit lässt sich auf einem Bild die ideale, „goldene“ Trennung konkret berechnen. Amateur-Fotografen folgen meist ganz intuitiv dieser Regel und fotografieren Objekte, die ungefähr auf dieser Linie liegen, also etwas seitlich der Bildmitte positioniert sind. Das hat den angenehmen Effekt, dass sie zwar als Motiv im Vordergrund stehen, aber daneben genügend Raum für den Blick ins Bild bzw. bei Landschaftsaufnahmen in die Ferne bleibt.

Tipp 3: Perspektive wählen

Je nachdem, ob von oben herab oder von unten nach oben betrachtet, können Gegenstände ganz unterschiedlich wirken. Wer die Imposanz eines Felsmassivs verdeutlichen möchte, fotografiert am besten vertikal nach oben mit viel Schärfentiefe. Um die Neigung einer steilen Piste zu verdeutlichen, hält man die Kamera übertrieben schräg und richtet sie dann auf die Standposition einer Person aus. Dem Betrachter dieses Motivs wird dann regelrecht schwindelig. Auch Nahaufnahmen können im Schnee spannende Motive hervorheben, zum Beispiel Eiskristalle, Eiszapfen oder zarte Details wie beschneite Pflanzen oder Gegenstände. Hierfür eignet sich die Makro-Einstellung.

Tipp 4: Tageslicht nutzen

In den Bergen beherrschen Weiß und Schwarz sowie jegliche Graustufen die Farbpalette. Wenn auch noch der Himmel grau ist, kann das schnell trist wirken. Also ist es immer von Vorteil, bei Sonnenschein zu fotografieren. Das stählerne Blau des Himmels und der durch den Lichteinfall glitzernde Schnee lassen ungeahnte Facetten hervorscheinen. In der Morgenröte und Abenddämmerung kommen zusätzliche Farbnuancen hinzu, die mehrfarbige Aufnahmen begünstigen.

Tipp 5: Lichtreflexe austricksen

Wer Schnee fotografiert, sollte sich bewusst machen, dass dieser die Sonne sehr stark reflektiert. Das Motiv ist somit sehr hell und die Kameraautomatik wählt dann eine zu kurze Belichtungszeit. Das Resultat ist eine zu dunkle oder kontrastarme Aufnahme. Es hilft, an der Kamera eine längere Belichtungszeit einzustellen oder direkt ein manuelles Programm auszuwählen. Manche Kameras haben einen Schneemodus, der für kontrastreiche Aufnahme von sehr hellen Flächen voreingestellt ist. Empfehlenswert ist auch ein Weißabgleich, der bei einigen Kameras manuell hinzugeschaltet werden kann. Er bewirkt, dass der Schnee keinen Blaustich oder Grauschleier erhält. Ein Problem könnte sein, dass in grellem Licht fotografierte Personen die Augen zukneifen oder das Gesicht von Schlagschatten verdunkelt ist. Hier ist es sinnvoll, auch bei Außenaufnahmen einen Blitz hinzuzuschalten und das Gesicht vom direkten Blick auf den Schnee abzuwenden. Um zugekniffene Augen zu kaschieren, am besten eine Sonnenbrille aufsetzen, schließlich ist der UV-Schutz im Skigebiet ohnehin unablässlich. Mit Brille sieht die Person auf dem Foto lässig aus und sie verleiht der Szene zusätzliche Urlaubsstimmung.

Tipp 8: Gegenlicht ausprobieren

Entgegen der landläufigen Meinung, dass man nicht ins Gegenlicht fotografieren sollte, bietet genau das besondere Möglichkeiten. Mit dem natürlichen Lichteinfall lässt es sich wunderbar spielen. Eine Aufnahme in die tiefstehende Sonne über einem Berghang etwa lässt den Schnee schön glitzern und die Struktur des Belags besser zur Geltung kommen. Wenn Objekte vor der Sonne positioniert sind, werden ihre Umrisse silhouettenartig verstärkt. Das kann bei Personen aber auch Baumwipfeln oder Berggipfeln ganz fantastisch aussehen.

Im Gegenlicht wirken Umrisse stärker.© Pavel Ilyukhin – shutterstock.de

Tipp 6: Schärfentiefe bewirken

Um die ganze Pracht von Panoramaaufnahmen zu entfalten, sollten diese mit einer ausreichenden Schärfentiefe (umgangssprachlich: Tiefenschärfe) fotografiert werden. Dann werden Gegenstände in der Nähe ebenso scharf dargestellt wie die Berggipfel weiter hinten. Dafür benötigt man recht kleine Blendenöffnungen, die bei den meisten Kameras über die Blendenautomatik TV einstellbar sind. Wird hingegen das Objekt im Vordergrund fokussiert und die Schärfentiefe verringert, wird der Hintergrund verschwommen. Dadurch wirken z. B. weitläufige Bergkämme noch weiter entfernt. Damit der Betrachter ein Gefühl für die Tiefe des Raums bekommt, helfen zudem Objekte im Vordergrund, z. B. kleine Details am Bildrand oder eben Personen.

Tipp 7: Personen integrieren

Bei Bergpanoramen in den Alpen sind eigentlich die schneebedeckten Gipfel die Protagonisten. Doch nach der zehnten Bergaufnahme wird das Motiv dann doch irgendwann eintönig. Ein Objekt im Bild hingegen peppt die Szenerie auf und verleiht dem Panorama optisch mehr Tiefe. Ideal sind Personen, egal ob einzeln oder in der Gruppe, die vor dem Panorama stehen. Bewegung macht sich dabei zusätzlich gut, z. B. wenn alle die Arme heben oder gar eine Piste abfahren. Dann kommt allerdings die Schwierigkeit der Bewegung hinzu.

Tipp 9: Sportaufnahmen optimieren

Bei bewegten Objekten im richtigen Moment den Auslöser zu drücken, ist nicht einfach. Erst recht, wenn die Kamera auch noch etwas träge bzw. zeitverzögert auslöst. Manche Kameras bieten ein Sport-Programm oder Serienaufnahmen. Diese helfen, liefern aber auch nicht immer ideale Ergebnisse. Daher gilt, am besten den Autofokus ausschalten und alles manuell einstellen. Eine sehr kurze Belichtungszeit und der Einsatz eines Stativs sind hier probate Mittel. Es lohnt sich manchmal auch, mit der Kamera die Bewegung zu verfolgen. Der unbewegliche Hintergrund wird dann verschwommen, das bewegte Objekt bleibt einigermaßen scharf. Das erzeugt eine schöne Dynamik, die „eingefrorene“ Sportaufnahmen eher vermissen lassen.

In dieser Sportaufnahme wurden gleich mehrere Tricks effektvoll umgesetzt: Bewegtbild, Sonnenschein, prächtiges Bergpanorama. © Sergey Nivens – shutterstock.de

Ein weiterer Trick, um Bewegung zu verdeutlichen, ist die Kombination aus längerer Belichtungszeit und dem Kamerazoom. Beispiel: Ein Skifahrer fährt die Piste ab. Er sollte mittig im Bild positioniert sein und sich von der Kamera wegbewegen. Nach dem Betätigen des Auslösers zoomt man an den fahrenden Wintersportler heran. Durch die längere Belichtungszeit entsteht so eine Unschärfe um die Bildmitte, die einen Tiefeneindruck erzeugt.

Tipp 10: Akku wärmen

Im Winter ist es naturgemäß kalt und das bekommt Kamera-Akkus generell nicht gut. Bei niedrigen Temperaturen verlieren sie schneller Energie und schlimmstenfalls versagen sie komplett. Das ist besonders ärgerlich, wenn man gerade ein tolles Motiv vor Augen hat und es nicht aufnehmen kann. Die Sofortlösung: den Akku herausnehmen, ein paar Minuten in der Hand wärmen und wieder einsetzen. Noch besser ist die Kälte-Prävention: die Kamera nah am warmen Körper tragen, so wenig wie möglich an der kalten Luft belassen und schon gar nicht in den Schnee legen. Nach dem Pistentag empfiehlt sich außerdem, den Akku wieder aus der Kamera zu nehmen und das Fach eine Weile offen stehen zu lassen, damit sich kein Kondenswasser im Gehäuse sammelt.

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