Nachhaltige Pistenpräparation – Hersteller rüsten auf

22. April 2015 - Katharina Teudt

Wie in allen Lebensbereichen geht auch in der Pistenpräparation der Trend zu nachhaltigen Konzepten. Auf der Interalpin, der führenden Fachmesse für alpine Technologien in Innsbruck, stellten Mitte April die großen Pistenfahrzeug-Hersteller Kässbohrer und PRINOTH ihre neuesten Innovationen für mehr Nachhaltigkeit vor.

Der Leitwolf von PRINOTH © PRINOTH

Die Präparierung von Skipisten ist eine der Hauptaufgaben der Bergbahnen. Jeden Abend rückt das schwere Gerät aus, um die Schneemassen zu bewegen. Das verbraucht viel Zeit und vor allem Energie. Um sowohl die Umwelt zu schützen als auch den Geldbeutel zu schonen, haben die Hersteller der Pistengeräte ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Fahrzeuge sowie die gesamte Pistenpräparation nachhaltiger gestaltet. Die beiden Branchenriesen PRINOTH AG aus Sterzing in Südtirol und die Kässbohrer Geländefahrzeug AG aus dem Baden-Württembergischen Laupheim stellten nun auf der Fachmesse Interalpin ihre Nachhaltigkeits-Konzepte in der Pistenpräparierung vor. Diese reichen von reduziertem Schadstoffausstoß der Geräte bis zum digitalen Pistenmanagement.

Umweltfreundliche Modelle Als erster Schritt sollen der Kraftstoffverbrauch und die Abgasbelastung reduziert werden. Hierfür hat Hersteller PRINOTH die nachhaltige Strategie „Clean Motion“ ins Leben gerufen, unter der vor allem zwei neue Fahrzeugmodelle weiterentwickelt wurden. Der „New Husky“ erfüllt als weltweit erstes Pistenfahrzeug die strengste Abgasnorm Stage IV/Tier 4 final, dabei leistet er 231 PS/170 kW und erzeugt rund 90 Prozent weniger Stickstoffe sowie 87,5 Prozent weniger Rußpartikel. Auch der „Leitwolf“, ein Klassiker aus der Flotte, weist in seiner neusten Ausführung 90 Prozent weniger Feinstaubausstoß und 50 Prozent weniger Stickstoffausstoß auf und erfüllt somit, wie schon in der vorherigen Modellvariante, die Abgasnorm Stage IIIB/Tier4i. Die Konkurrenz von Kässbohrer steht dem mit ihrer Marke PistenBully in nichts nach. Das PistenBully-Modell 600 E+ ist mit seinem diesel-elektrischen Antrieb besonders umweltfreundlich und verringert den Kraftstoffverbrauch und den Ausstoß von CO2 um jeweils 20 Prozent – und das bei 400 PS. Über die ökologisch optimierten Fahrzeuge hinaus haben die Firmen jedoch noch weitere Innovationen in Petto.

Koordination auf der Piste Im Fokus der nachhaltigen Konzepte steht zudem das Flottenmanagement. Digitale Systeme sollen den Raupenfahrern bei der Pistenwartung helfen, die Arbeitsabläufe zu optimieren. Immer wissen, wo präpariert werden muss, wo die Kollegen gerade unterwegs sind oder sich Gefahrenstellen befinden, spart schließlich Zeit und Treibstoff. Dafür werden mit modernster Technik die nötigen Daten gesammelt und ausgewertet. Da wäre zum Beispiel das Analyse- und Beratungskonzept „Snow How“ von PRINOTH, das den effizienten Einsatz von Pistenfahrzeugen unterstützt. Zu dem Konzept gehören mehrere Instrumente: Zum einen das Analyse-Tool „Resource Management“, das anhand der Fahrzeugdaten und des Fahrverhaltens aufzeigt, wo Produktivität gesteigert und Kosten gesenkt werden können. Zum anderen zeigt das „Snow Depth Measurement“ die Schneehöhen an und hilft so dabei, die Koordination der Fahrwege und der Orientierung zu verbessern. Kässbohrer setzt in seiner nachhaltigen Unternehmensstrategie „BlueIQ“ auf mehrere Bausteine: Neben den innovativen Fahrzeugen mit Hybrid-Motoren ist das Pistenmanagement mithilfe des professionellen Systems „SNOWsat“ maßgeblich.

Vermessung der Schneedecke Sowohl PRINOTH als auch Kässbohrer liefern satellitenbasierte Systeme, die die Schneetiefe messen. Dieses Wissen hilft ungemein bei der genauen Planung von Fahrwegen oder etwa der künstlichen Beschneiung. Hersteller PRINOTH hat gemeinsam mit Leica Geosystems eine spezielle Software entwickelt, die via Satellit die Schneehöhen im Skigebiet misst. Die Daten zu Schneehöhen und Geländeprofil werden gemeinsam mit dem eigenen Standort und dem der anderen Fahrzeuge in einem kleinen Boardcomputer im Fahrerhaus angezeigt.

Der Boardcomputer mit dem nötigen „Snow How“. © PRINOTH

So können die Fahrer ihre Routen gezielter abarbeiten und sich mit den Kollegen koordinieren. Kässbohrer hat mit dem SNOWsat-System ein ganz ähnliches Angebot im Gepäck: Die Schneetiefe wird hier mit GPS-, Glonass- und Galileo-Satellitensignalen gemessen und in die Führerkabine übertragen. Außer den Schneetiefen werden praktische Informationen wie Pistenränder, Beschneiungsanlagen, Straßen und Wege angezeigt und vor Gefahrenstellen sowie anderen Fahrzeugen mit ausgefahrenen Windenseilen hingewiesen. Mit beiden Systemen lassen sich die nötige Kunstschneeproduktion, die Betriebszeiten und der Kraftstoffverbrauch reduzieren.

Dieser technische Fortschritt klingt vielversprechend und wird in einigen Skigebieten bereits erfolgreich angewendet. Künftig werden wir uns über zeit- und kostensparende, aber vor allem umweltfreundlichere Pistenpräparation wohl keine Gedanken mehr machen müssen.

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