Material-Spezial: Skistöcke – die unterschätzten Helfer

2. September 2014 - Katharina Teudt

Der Skistock – ein oft unterschätztes Zubehör. Augenscheinlich ist es nur ein Metallstab mit Griff und Teller dran. Doch dieser Eindruck täuscht, denn ein guter Stecken kann weit mehr. Er stabilisiert beim Skifahren, unterstützt den Bewegungsablauf und ist der Retter auf lästigen Ziehwegen. Wir haben Skilehrer Eddy Balduin und Produktexpertin Heidi Kreusel vom Hersteller LEKI gefragt, warum Skistöcke so wichtige Instrumente sind und was es beim Kauf zu beachten gibt.

Skistock als Stabilisator beim Carven © LEKI/Christoph Schöch

Das Einsatzgebiet Ein guter Skistock kann so manch skifahrerische Leistung verbessern. Dafür muss er stabil, steif und gleichzeitig möglichst leicht sein. Das kann Heidi Kreusel nur bestätigen. Sie ist Head of Marketing beim Skisportausrüster LEKI und weiß, warum Skistöcke so wichtig sind: „Sie dienen zum Anschub am Start, während der Fahrt zur Balance und um locker sämtliche Ziehwege oder abseits der Piste das unwegsame Gelände zu überwinden.“ Ein guter Stecken vermittelt also Stabilität, Sicherheit und Antrieb. Eddy Balduin, staatlich geprüfter Skilehrer und Leiter der Skischule Berchtesgaden Oberau, veranschaulicht das durch ein Beispiel aus dem Rennsport: „Wenn man sich die Profis anschaut, sieht man sofort, wie wichtig Skistöcke beim Skifahren sind. Sie werden für das Gleichgewicht und die Stabilität beim Skifahren benötigt. Verliert ein Rennfahrer einen Stock, hat er keine Chance mehr unter die vorderen Plätze zu gelangen.“ Vom Anfänger bis zum leicht Fortgeschrittenen geben Skistöcke Sicherheit und erleichten den Aufstieg und das Vorwärts kommen an Skiliften. Balduin betont, dass die Stecken auch für die Basics wie Schwungeinleitung, Gleichgewicht und Körperspannung notwendig sind.

Stöcke für Kinder? Ganz kleine Skikinder brauchen keine Stöcke? Das sieht Skilehrer Eddy anders. „Eigentlich werden Stöcke ab dem ersten Kontakt mit Skiern auf dem Schnee eingesetzt. Auch bei Kindern, da sie beim Vorwärts kommen an Kraft sparen. Dazu kommt, dass die Kinder ihre Eltern als Vorbild sehen und diese fahren meist mit Skistöcken.“ In den Kinder- und Jugendskikursen (ab 6 Jahren) lässt Eddy vom ersten Tag an mit Skistöcken fahren. Heidi Kreusel würde Skikindern ab 4 oder 5 Jahren die ersten Stöcke in die Hand geben, „allerdings ist das immer abhängig vom einzelnen Kind, wie es koordinativ damit klar kommt. Manche Kinder sind da sehr früh dran. Sie möchten unbedingt Stöcke und bekommen das auch hin, andere sind damit völlig überfordert.“ Ob so oder so, ein Stockeinsatz bei lernenden Kindern kann nicht schaden kann.

Carbon-Stock © LEKI

Das Material Die ersten Skistöcke bestanden noch aus Holz und wurden, ähnlich wie ein Ruder, quer vor dem Körper gehalten. Diese Zeiten sind spätestens seit Beginn des kommerziellen Skitourismus passé. Heute sind die simplen Gegenstände so ausgeklügelt wie nie. „Die Schäfte sollten entweder aus hochfestem Aluminium (HTS 5.5-6.5) oder Carbon gefertigt sein“ empfiehlt Leki-Expertin Kreusel. Das macht sie leicht und gleichzeitig bruchsicher. Wärmebehandelte Alu-Stöcke verbiegen sich unter Krafteinwirkung nur, brechen aber nicht. Das verringert die Verletzungsgefahr und ist somit sicherer. Im High-End-Segment werden sehr leichte und extrem stabile Carbonfasern verarbeitet. Das steife Material verleiht dem Stock noch bessere Dämpfung und Bruchsicherheit. Diese Qualität hat natürlich ihren weitaus höheren Preis. Heidi Kreusel verdeutlich die große Preisspanne: „Günstige, nicht hochfeste Aluminium Modelle bekommt man ab 19 €, hochwertige Carbonstöcke kosten bis zu 149 €.“

Der Griff Der Griff besteht bei den einfacheren Modellen aus Hart-Kunststoff, bei komfortableren Modellen aus Soft- oder Dual Density-Material, das besser dämpft und bequemer in der Hand liegt. Bei den Schlaufen ist es wichtig, dass sie sich bei einem Sturz schnell öffnen oder vom Griff lösen. Daher empfiehlt Heidi Kreusel das von LEKI entwickelte „Trigger S“. Bei diesem neuartigen System wird die Schlaufe mittels einer ringartigen Öffnung, dem Trigger Loop am Handschuh, in den Griff eingeklickt. Bei großer Zuglast, wie etwa einem Sturz, löst sich der Stock sofort vom Körper. „Man muss sich erst etwas daran gewöhnen, aber nach einer kurzen Umgewöhnungsphase möchten es die wenigsten missen“ weiß die Expertin.

Die DIN-Norm Für einen guten Stock sind mehrere Eigenschaften ausschlaggebend. Einerseits ist das Gewicht maßgeblich. Ein leichter Stock hat weniger Schwungmasse, belastet die Arme weniger und beeinflusst letztlich die Körperbewegung geringer. Dazu kommen die Dämpfungseigenschaften, denn ein gut gedämpfter Stock schont zusätzlich die Handgelenke. Die Qualität eines jeden Stocks wird durch die DIN ISO Norm 7331 festgelegt. Diese Norm misst unter anderem die Belastbarkeit des Stocks sowie die Form und Druckstoßfestigkeit des Griffs. Die Belastbarkeit des Materials wird letztlich durch Zahlen gekennzeichnet. Ein 4-er-Wert steht für normale Qualität, eine Zahl im 5-er-Bereich zeigt eine mittlere und 6-er-Zahlen eine hochwertige Bauweise an. Kinderstöcke haben beispielsweise eine F40, der Rennstab von Lindsey Vonn hat sicherlich eine F65.

Handschuh mit Trigger-Loop © LEKI

Die richtige Länge Die Länge des Stocks ist je nach Sportart unterschiedlich: Ski Alpin, Skibergsteigen, Freestylen, Langlauf klassisch oder Skating, für jede Eignung braucht’s einen anderen Stock. Die richtige Länge für Alpinfahrer kann auf verschiedene Arten ermittelt werden. Rechenfreaks können für Alpin-Stöcke die Formel Körpergröße mal 0,7 anwenden. Eine einfachere Variante ist es, den Skistock umzudrehen und ihn über dem Teller zu greifen. Im aufrechten Stand sollten Unter- und Oberarm dann einen 90 Grad-Winkel bilden. Einsteigern werden eher kürzere Längen empfohlen. Beim Langlauf hängt die Länge vom Stil – klassisch oder Skating – sowie vom Leistunsgniveau ab. Generell lässt sich sagen: Umso länger die Stöcke, desto kraftsparender das Abstoßen. Da das Schwungholen ein wesentliches Bewegungsmerkmal beim Langlauf ist, werden vor allem Skating-Stöcke sehr lang gewählt. Die Faustregel lautet Körpergröße x 0,8 für klassische und x 0,9 für Skating-Stöcke.

Freerider, Tourengeher, Freestyler Neben den klassischen Alpin-Skifahrern gibt es mehrere Disziplinen, die einen besonderen Stock erfordern. LEKI-Frau Kreusel empfiehlt für Freerider und Tourengeher die praktischen Faltstöcke. „Die Teleskop-Modelle haben sich aus dem Thema Rent-a-Ski entwickelt, so kann sie der Skifahrer handlich verpackt in der Tasche überall hin mitnehmen.“ Durch das Verstellsystem können diese Stöcke flexibel an die Hangneigung oder für die Abfahrt angepasst werden. Bei Geländefahrern liegt der Unterschied auch in der Größe des Tellers. Der hat einen größeren Durchmesser und somit eine breitere Fläche, die besser im Tiefschnee greift. Dazu gibt Kreusel zu bedenken, „wenn man ins Gelände möchte, sollten die Teller schnell und einfach gewechselt werden können, da die kleinen Pistenteller beim Freeriden keine Freude machen.“ Entsprechende Austauschmodelle können zu jedem Stock dazu gekauft werden.

Freestyler brauchen etwas kürzere Stecken © LEKI/Christoph Schöch

Krumme Stöcke? Für den alpinen Rennsport gibt es speziell gebogene Stöcke. Sie schmiegen sich um den Körper und sind primär für das enge Umfahren von Stangen konzipiert. Der normale Skifahrer, auch wenn er ein Speed-Fahrer auf der Piste ist, braucht diese ziemlich teuren Renn-Stöcke eher nicht.

Kauftipps: – Bringen Sie Ihren eigenen Handschuh mit und prüfen Sie den Komfort des Griffs und die Handhabung mit dem Schlaufensystem. Die meisten Modelle sind größenverstellbar. – Entscheiden Sie sich für das Trigger S System, können Sie spezielle Handschuhe mit integriertem Trigger-Loop direkt dazu kaufen. – Ermitteln Sie die passende Länge des Stocks mit der oben genannten 90-Grad-Winkel-Regel. Denken Sie daran, dass Frauen dabei keine Absatzschuhe tragen dürfen. – Machen Sie sich bewusst, welche Art von Stock (fixiert oder vario) und für welchen Sport Sie ihn benötigen. – Achten Sie auf die Tellergröße. Wenn Sie für Piste und Gelände gleichermaßen gewappnet sein möchten, können Sie breitere Teller hinzu kaufen, um sie bei Bedarf auszutauschen. – Bei schnell wachsenden Kindern bieten sich Teleskopstöcke zum „Mitwachsen“ an. Sie sind jedoch nicht so stabil wie die Modelle aus einem Guss.

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