Material-Spezial: Skibrillen für besten Durchblick

9. Dezember 2014 - Katharina Teudt

Mit lässigem Style, sportlichem Schnitt oder als hochfunktionales Zubehör – die Skibrille ist unverzichtbar auf der Piste. Wir haben zwei der größten deutschen Skibrillen-Hersteller befragt, was eine gute Skibrille leisten muss und welche die Must-Haves für den Winter 14/15 sind.

Groß, größer, Goggle – Panoramascheiben sind Trend.

Beim Skioutfit geht es vielen Skifahrern um die perfekte Symbiose aus Style und Funktion, auch Skibrille und Helm sollten auf die Kleidung abgestimmt sein. Die „Goggles“ (engl. Skibrille) gibt es daher in allen Formen und Farben. Hersteller wie die deutschen Traditionsmarken Alpina und Uvex legen ihren Fokus zwar weiterhin auf die Weiterentwicklung der Scheibentechnologien, doch gleichzeitig haben sie sich auf den Style-Aspekt eingestellt. Steffen Kern ist Brand Portfolio Manager bei Alpina und kennt die Trends in Sachen Goggles: „Das Thema Spiegelscheiben und (möglichst) rahmenlose Brillen sind für die Saison 2014/15 sehr gefragt. Skibrillen sind nicht mehr hauptsächlich Funktionsartikel, sondern werden mehr und mehr unter dem Aspekt „Style“ eingekauft.“ Dabei zählen besonders bei jungen Sportlern die Größe und Farbe der Scheibe sowie ein knallbuntes breites Kopfband. Kai Schultz, Brand Portfolio Manager bei Uvex Sports, betont die technologische Zukunft der Skibrille: „Wir setzen auf Scheibentechnologien. Hier liegt gerade der Fokus auf Anpassungsmöglichkeiten an unterschiedlichste Wetter- und Lichtsituationen auf unterschiedlichen Preispunkten.“ Es geht also um weit mehr als nur um Farbspiele.

Die rahmenlose Big Horn mit 180 Grad-Sichtfeld © Alpina

Scheiben mit Filterfunktion

Das Herzstück der Goggle ist ihre Scheibe. Sie dient als Augenschutz und muss viele Eigenschaften wie Lichtanpassung, Kratzfestigkeit und Beschlagschutz erfüllen. Gerade der Filterfunktion misst Uvex besondere Bedeutung bei. Der Markenname komme schließlich nicht von ungefähr, erklärt Schultz, er sei die Abkürzung für „UV-EXcluded“ – die UV-Strahlung bleibt draußen. Der Filter reguliert die Anpassung an verschiedene Lichtverhältnisse und Witterungsbedingungen. Ein wichtiges Feature dabei sind die Polarisationsfilter, die Kontraste verstärken. Damit sind Unebenheiten am Boden und Abgrenzungen von Gegenständen zum Hintergrund besser zu erkennen. Es gibt für jedes Licht eine eigene „Filterfarbe“: schwarz, grau und braun für sonniges Wetter, blau und lila für diffuses Licht bei Bewölkung, gelb und orange für kontrastarmes Licht im Schneegestöber oder Nebel. Die Scheiben filtern die UV-Strahlen je nach Intensität und Farbe. Doch sie können noch mehr. Wechselt das Wetter und wird dadurch die UV-Einstrahlung z. B. schwächer, ändert die Scheibe durch eine chemische Reaktion von Flüssigkristallen ihre Tönung in Sekundenschnelle und passt sich der Umgebungshelligkeit an. Diese photochromen (selbst-tönenden) Scheiben gehören ebenso wie Kratzfestigkeit und Antifog-Beschichtung zu den Standards bei guten Skibrillen. In Sachen Scheibentechnologie empfiehlt Kai Schultz, sich gut beim Fachhändler beraten zu lassen, so dass man für seinen jeweiligen Einsatzbereich (Schönwetter, Piste, Off-piste, Allwetter) das perfekte Produkt bekommt.

Die Snowtrike wechselt per Knopfdruck blitzschnell die Tönung © Uvex

Wer nur eine Goggle für alle Zwecke benutzen möchte, der kann ein Modell mit wechselbaren Scheiben wählen. Viele Serien verfügen über ein Clip- oder Magnet-System, mit dem die Scheibe schnell und einfach ausgetauscht werden kann. Eine weiteres praktisches Feature sind verspiegelte Gläser. Sie schützen die Augen noch besser und sind besonders kratzfest. Das gilt vor allem für die schicken sphärischen Scheiben.

Zylindrisch oder sphärisch?

In Sachen Optik und (Weit-)Sicht gibt es zwei Scheibenformen: zylindrische und sphärische. Die zylindrische Form ist horizontal gebogen, aber vertikal gerade. Diese Scheiben schmiegen sich gut um das Gesicht und sind – je nach sonstiger Ausstattung – etwas kostengünstiger. Einen cooleren Look, aber auch einen höheren Preis haben die sphärischen Scheiben. Sie sind sowohl horizontal als auch vertikal gebogen, imitieren die Wölbung des menschlichen Auges und liefern eine besonders klare und genaue Rundumsicht. Sphärische Brillengläser werden gerne in Modellen mit XXL-Panorama-Sichtfeld und minimalistischem Rahmen eingesetzt. Letztere gelten als besonders stylisch, da sie durch das noch größer wirkende Sichtfeld besonders auffallen. Apropos Rahmen: Der ist nicht unwesentlich für den Tragekomfort. Weiche Poster und Luftschlitze für eine ordentliche Belüftung gehören zum Standard. Umso hochpreisiger das Modell, desto ausgefeilter die Ventilations-Technologie.

Modell Revel mit der Live-Fit Technologie im Rahmen

Goggles für Brillenträger

Der Trend geht also zu großen, verspiegelten Gläsern für beste Rundumsicht. Das kommt auch Brillenträgern zugute, die ungern Kontaktlinsen tragen. Für sie gibt es die OTG (over-the-goggle), die einen extra breiten Rahmen und seitliche Aussparungen besitzen, so dass man die Brille mit Sehstärke bequem unter der Goggle tragen kann. Je nach Hersteller werden auch Brillengrößen für unterschiedliche Gesichtstypen angeboten. Der Tipp von Alpina-Mann Steffen Kern: „Die Skibrille darf nicht zu groß oder zu klein sein und nicht drücken. Für die Saison 2014/15 haben wir unsere Brillen nach Größen kategorisiert und den Fit-Index entwickelt. So lässt sich mit Hilfe von zwei Werten (Nasenhöhe und Augenabstand) schnell und einfach die richtige Brillengröße finden.“ Damit kann der Fachverkäufer im Laden das Kundengesicht ausmessen und direkt die perfekte Brille anbieten. Das kommt nicht nur Brillenträgern zugute.

Zusammenspiel von Helm und Brille

Zu den großen internationalen Brillenherstellern zählen Oakley, Giro, Bollé, Scott, Poc, Smith, Anon… Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Sie alle bieten Brille und Helm in Kombination an, denn die Wahl des Produkts steht und fällt mit dem Zusammenspiel von Goggle und Helm. Steffen Kern empfiehlt: „Eine Skibrille sollte immer zusammen mit dem Helm gekauft werden, bzw. sollte der Helm zum Brillenkauf mitgenommen werden. Beide müssen eine Einheit bilden, wobei dies immer abhängig von der jeweiligen Kopf- und Gesichtsform ist. Im Stirnbereich sollte keine Lücke zwischen Brille und Helm entstehen, da sonst kalte Luft einströmen kann.“ Kai Schultz von Uvex betont ebenfalls die Passform. In Kombination mit Helm dürfe kein großer Spalt im Stirnbereiche zwischen Brille und Helm entstehen und die Brille gleichzeitig nicht von oben auf die Nase drücken. „Nichts kann an einem Skitag mehr stören als eine drückende Brille oder ein schlecht sitzender Helm.“

Passform ist alles © Atomic

Die Brillenhersteller arbeiten fortwährend daran, dass der Tragekomfort der Brille trotz Helm gewahrt bleibt. So besitzen gute Brillen spezielle Kopfbänder, die sich am Helm leicht befestigen und verstellen lassen. Zudem passen frei bewegliche Kopfbandgelenke das Gestell optimal an den Helm an.

Das ist angesagt!

Genau wie bei Skiern gibt es bei Goggles verschiedene Modelle für Racer, Geländefahrer, Komfortbrillen oder kleine Varianten für Kinder. Alle sind sie bunt, bequem und funktional. Der Verkaufsschlager von Alpina ist die recht schmal geschnittene Challenge 2.0 QLH, eine solide Brille aus der preislichen Mittelklasse. Doch die Highlights in der Kollektion 2014/15 entsprechen ganz dem Trend und kommen mit einer rahmenlosen Konstruktion für ein 180°-Sichtfeld. „Die Modelle Big Horn und Granby besitzen Ergonomie-Features wie Ergobars und Comfort Frame für beste Passform und natürlich: Style“, so Kern. Die Big Horn mit XXL-Scheibe und kompletter Ausstattung liegt bei rund 200 €.

Die Airwave 1.5 besitzt ein integriertes Heads-up-Display mit Bildanzeige © Oakley

Uvex ist in Sachen Filter schon einen Schritt weiter und hat die automatisch tönende Scheibe entwickelt. Das Highlight-Modell Snowstrike VT besitzt die Variotronic-Technologie, bei der per Knopfdruck über einen Lichtsensor vier verschiedene Tönungen einstellbar sind. „Ihre Scheibe lässt sich mittels LCD-Technologie elektronisch binnen 0,1 Sekunden an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen“, erklärt Uvex-Mann Schultz. Das Modell mit den automatischen Tönungs-Modi kostet rund 400 €. Neben dieser extravaganten Lösung ist die Snowstrike aber auch mit den automatisch tönenden Variomatic sowie klassisch verspiegelten Scheiben erhältlich. Der Verkaufsschlager von Uvex ist übrigens die Downhill 2000, die auch die Lieblingsbrille von Trexperte Felix Neureuther ist.

Felix Neureuther fährt mit Uvex.

Noch einmal zurück zum Thema Belüftung: Der österreichische Skihersteller Atomic bietet auch Skibrillen mit besonders ausgefeilten Technologien. Bei der neuen Revel-Serie ist neben der sphärischen, verspiegelten Doppelscheibe von Zeiss die Rahmenkonstruktion das Highlight. Sie besitzt die Live-Fit-Technologie, durch die sich der Rahmen flexibel dem Gesicht anpasst. Ein weiterer Trend fokussiert sich auf die multi-technischen Datenbrillen, die mit kleinen Computern und Software von Recon Instruments oder Evolaris ausgestattet sind. Sie sollen künftig der Bergrettung bei der Arbeit behilflich sein und können diesen Winter z. B. in der Ski amadé tageweise ausgeliehen werden. Die Entwicklung von Skibrillen ist also längst nicht abgeschlossen.

Zu guter Letzt noch ein paar Tipps für den Goggle-Kauf:

  • Brille und Helm müssen kompatibel sein! Den eigenen Helm zum Kauf mitbringen oder am besten gleich beides zusammen kaufen
  • Darauf achten, dass die Gläser 100 % UV-Schutz besitzen. Die hochwertigsten Scheiben liefert Linsenhersteller Zeiss.
  • Die Rahmenpolster müssen auch mit Helm lückenlos auf dem Gesicht aufliegen.
  • Wer nur eine Goggle für alle Lichtverhältnisse nutzen möchte, sollte nach einem Modell mit Wechselscheiben fragen.
  • Der Kaufpreis variiert je nach Marke und Features stark. Die Preisspanne bewegt sich zwischen 30 € für einfache Modelle mit zylindrischer Scheibe bis zu hochwertigen Modellen mit sphärischer Scheibe für 250 €. Eine Ausnahme bilden Higtech-Modelle wie die Smart Ski Goggle mit integriertem GPS, Bildschirm und Software für rund 700 €.
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