Material-Spezial: Augen auf beim Skischuhkauf

17. Juni 2014 - Katharina Teudt

Neben den Ski sind gut sitzende Skischuhe das A und O einer jeden Skiausrüstung. Unabdingbar also, sich ausgiebig der Materialauswahl zu widmen, bevor es auf die Piste geht.

Kalte Füße? Schlecht sitzende Schuhe sind oft Ursache von kalten Füßen. Sind die Skischuhe zu groß gekauft, müssen für den nötigen Halt die Schnallen so eng gezogen werden, dass man sich eventuell das Blut abschnürt. Daher sollten Sie sich schon beim Kauf eines neuen Skischuhs genügend Zeit nehmen und den Schuh keinesfalls zu groß kaufen. Das Material gibt in der Regel nach einiger Zeit noch etwas nach, so dass sie im Neuzustand recht eng sitzen müssen. Eine kundige Beratung durch einen Fachverkäufer ist beim Anprobieren und Auswählen von unschätzbarem Wert.

Ebenso gibt es bei der Auswahl der Skisocken große Unterschiede. Skisocken mit höherem Wollanteil sind beispielsweise wärmer als die mit einem hohen Polyesteranteil. Kompressionsstrümpfe haben einen höheren Synthetik-Anteil, können aber unter Umständen gezielter zur Blutzirkulation beitragen. Sollten trotz gutem Schuh und warmen Socken die Zehen dennoch einfrieren, gibt es die technische Variante einer Skischuh-Heizung – endlich einmal eine sinnvolle Erfindung! Es gibt dabei verschiedene Versionen, aber alle laufen mit einem Akku, den man über Nacht wieder aufladen kann.

Beiheizbare Sohlen inkl. Li-Ion-Akku mit 24 St. Laufzeit © Alpenheat

Die Skischuh-Heizung und ihr Antrieb Skischuhe mit Heizfunktion sind eine Wonne für die Füße. Doch damit die Heizfunktion optimal funktionieren kann, müssen die Akkus des Systems recht hohen Anforderungen entsprechen. Dabei stellen die Minus-Temperaturen am Berg das größte Problem dar, unter denen die Akkus Leistung einbüßen können. Um auch unter solchen Bedingungen zuverlässig Energie zu liefern, kommen bei Schuhheizungen starke Akkus zum Einsatz, die auch schon in Handys und Notebooks für lange Betriebsdauer sorgen. Die sehr leistungsstarken Li-Ion (Lithium-Ionen)-Akkus sind zwar teuer, halten aber auch bis zu 24 Stunden unter extremen Bedingungen. Sie wurden ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt und sind bis zu Temperaturen um minus 45° C einsatzfähig. Preiswertere Ni-MH (Nickel-Metallhybrid)-Akkus halten nicht ganz so lang, sind aber ebenfalls recht zuverlässig.

Die Akkus werden in der Regel außen am Skischuh mit einer Klemme oder Schraube befestigt. Die Verdrahtung wird im Wadenbereich zwischen Innenschuh und Außenschale geführt. Um die Kabelführung zu optimieren empfiehlen einige Hersteller einen kleinen Schnitt oder Loch im hinteren Bereich des Schuhs einzuboren. Die Montage funktioniert jedoch auch ohne Modifikationen am Schaft. Das eigentliche Heizelement ist in einer Einlegesohle eingearbeitet. Sie wird entweder auf die vorhandene Sohle im Skischuh gelegt oder ersetzt diese. Für Skifahrer, die individuell angefertigte Einlegesohlen verwenden, gibt es am Markt spezielle Systeme, wobei das Heizelement direkt unter der individuellen Einlegesohle angebracht werden kann. Die Heizelemente sind prozessorgesteuert und haben drei bis vier Heizstufen. Die Heizelemente sind flexible Leiterbahnen die je nach Hersteller und System nur im Zehbereich, Vorderfuß, oder auch die komplette Fußsohle abdecken.

Der Heiz-Akku wird am Schuhschaft angebracht © Alpenheat

Skischuh-Heizungen komplett mit Ni-MH-Akkus sind im Handel bereits unter hundert Euro erhältlich. Wie oben schon erwähnt machen sich vor allem die leistungsstarken im Preis bemerkbar. So sind Systeme mit Li-Ion-Akkus erst zu Beträgen von weit über hundert Euro zu bekommen. Der Grund hierfür sind die Kosten, die mit derartig hochwertigen Akkus verbunden sind. Inzwischen gibt es auch schon Skischuhe verschiedener Hersteller, die über eine integrierte Skischuh-Heizung verfügen. Es ist davon auszugehen, dass der Komfort, den eine solche Heizung mit sich bringt, in Zukunft zum Komfort-Standard eines jeden Skischuhs reifen wird. Sollte sich der Markt dahingehend entwickeln, werden die heutigen Systeme nur noch beim Nachrüsten der alten Skischuhe Verwendung finden. Frieren und kalte Füße im Skischuh werden dann endgültig der Vergangenheit angehören.

Der Holzleisten – Resultat der Fußanalyse © Ertl/Renz

Maßgeschneiderte Skischuhe für optimalen Tragekomfort Der Trend zum Individualismus ist seit einiger Zeit auch in der Skischuh-Manufaktur angekommen. Der perfekt sitzende Schuh soll zu noch größerem Fahrvergnügen führen. Bereits seit einigen Jahren bieten Hersteller wie Fischer oder Salomon bereits per Wärmeeinwirkung modellierbare Skiboots (Customized Fit), die sich passgenau um den Fuß schmiegen. Schraubstockgefühl, Druckstellen und schmerzende Füße sind somit passé. Für besonders anspruchsvolle Käufer bietet sich außerdem die Möglichkeit, den kompletten Skischuh vom Schaft bis zur Sohle individuell fertigen zu lassen. SnowTrex hat einigen Exklusiv-Herstellern in die Werkstatt geschaut:

Strolz Eine der ältesten Manufakturen führt die Familie Strolz mit gleichnamiger Marke aus Lech am Arlberg. Hier wird viel Wert auf Handarbeit gelegt. Jeder Schuh ist Maßarbeit, für den zunächst auf Basis der Messdaten der Fußanalyse ein Holzmodell erstellt wird. Der Innenschuh wird aus Rindsleder gemacht, da es sehr elastisch und haltbar ist.

Ertl/Renz In Deutschland dominiert Ertl-Renz die maßgefertigte Skischuh-Herstellung. Am Hauptsitz in München berät das Ehepaar Ertl-Rentz mit ganz besonderen Know-How: Die ehemalige Skirennläuferin Martina Ertl-Renz lässt ihre 16-jährige Weltcup-Erfahrung und das Wissen um die notwendigen Eigenschaften der Schuhe in den Herstellungsprozess einfließen.

Maßgefertigte Einzelstücke aus der Manufaktur Ertl/Renz © Ertl/Renz

Dale Boot Der traditionsreiche Hersteller aus Salt Lake City/Utah (USA) macht nach eigener Aussage Skichuhe, die wirklich zu 100 % passen. Heute besitzt Dale Boot ganze 14 Patente auf ihre Skischuhherstellung, angefangen beim Schäum-Verfahren, dass bereits in den 1960er Jahren von Unternehmensgründer Mel Dalebout entwickelt wurde. Der europäische Hauptsitz von Dale Boots ist in Kitzbühel, wo im Flagship-Store auch Maßanfertigungen durchgeführt werden.

Mass-Skischuh Die Schweizer Werkstatt erstellt Ihren persönlichen Maß-Skischuh in vier Schritten. Die Füße werden im orthopädischen Atelier analysiert und vermessen. Mittels digitalem 3D-Fußabdruck wird eine individuelle Fußanalyse durchgeführt, um anatomisch bedingte Probleme zu erkennen und zu berücksichtigen. Falls notwendig werden Skischuheinlagen angefertigt, um optimierte Kraftübertragung und Reaktionsfähigkeit im Schuh zu erzielen. Die Skischuhschale wird anhand der Daten aus der Fußanalyse Ihrem Fuss angepasst. Schließlich wird der Innenschuh geschäumt, der die feine Abstimmung auf die unterschiedlichen Formen des einzelnen Fußes garantiert. Die empfindlichen Stellen werden abgepolstert, um später für Entlastung zu sorgen.

Ob Skischuh nach Maß, Sohlenheizung oder einfach nur ein gut gewählter Boot von der Stange – in jedem Fall sollten Sie sich beim Skischuhkauf genügend Zeit nehmen und sich ausführlich beraten lassen. Dann werden Ihnen kalte Füße nichts mehr anhaben können.

Quellen:

www.skischuh-heizung.de www.strolz.at www.ertlrenz.de www.daleboot.com www.mass-skischuh.ch

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