Leichtgewichte auf der Piste: Material-Neuheiten auf der ISPO

5. Februar 2014 - Nina Vogt

Es ist eine Masse an Informationen, die auf der ISPO in München auf den Besucher einprasselt. Eine Masse an neuem Material, das es zu bestaunen gibt. Jeder Hersteller setzt seine eigenen Akzente – egal, ob es sich um neue Modelle in Sachen Bretter, Bindungen oder Schuhe handelt, oder nur um verbesserte. Doch gewisse Trends, die ziehen sich durch die Linien hinweg. Bestimmend für so manchen Trend in der kommenden Wintersaison ist definitiv der Drang ins freie Gelände – und das macht sich bei Snowboard- ebenso wie bei Ski-Modellen bemerkbar.

Splitboards stehen im Fokus. © Messe München GmbH

Allen voran hat das Splitboard endgültig seinen Siegeszug auf ganzer Linie angetreten. Es ist aus kaum einer Kollektion mehr wegzudenken. Und so geht es in der kommenden Wintersaison vor allem darum, den Umgang mit eben diesem Splitboard so leicht zu machen wie es geht. Nicht umsonst wurde das Burton Landloard von einer unabhängigen Jury bei der ISPO mit Gold ausgezeichnet. Seine neue Bindungstechnik, die die Umstellung von Auf- zu Abstieg schnell und einfach macht, begeisterte die Fachleute. Auch bei Arbor bezeichnet ein Mitarbeiter das Splitboard „Abacus“ als Highlight unter den Modellen zur Saison 2014/2015. Von Salomon gibt es sogar drei- oder vierteilige Splitboards. Die „Auftiegsski“ werden so immer schmaler, der Aufstieg damit weniger anstrengend. Jones Snowboards stellte sogar ein Splitboard für Kinder vor.

Neue All-Mountain-Modelle

Hinzu kommt eine neue Generation der All-Mountain-Boards, genannt „Powder Twin“. Sie sind etwas breiter und bieten damit mehr Auftrieb im Tiefschnee. Mit symmetrischen Tip- und Tailformen sind sie jedoch für einen Ausflug in den Funpark ebenfalls durchaus geeignet. Natürlich herrschen aber auch die reinen Freeride-Snowboards vor. Sie besitzen eine hochgezogene Spitze und ein Pintail-Heck. Das „Alter Ego“ von Ride verfügt sogar über ein Split-Tail, um das Handling im Tiefschnee zu verbessern.

Im Skibereich sieht die Entwicklung kaum anders aus. Der Freeride- und der Tourenbereich gewinnen immer mehr an Bedeutung. Bei einer Tour über die ISPO fiel auf, wie viele kleine Hersteller sich mittlerweile auf dem Markt tummeln, die sich auf diese Bereiche spezialisiert haben. So steigt auch das Angebot an Skischuhen mit integrierter Gehfunktion. Der ISPO „Product of the Year“-Awardgewinner in der Kategorie „Ski“ geht gar noch weiter: Das Freiburger Start-Up-Unternehmen Dahu hat einen Schuh gefertigt, der aus 2 Komponenten besteht: einem weichen Innenschuh aus wasserfestem und atmungsaktivem Material mit einer rutschfesten Sohle sowie einer separat anzulegenden Außenkonstruktion. Ein multifunktionales Schuhwerk für Piste und Wanderweg gleichermaßen.

Die Award-Gewinner wurden auf der ISPO auf einer Schaufläche präsentiert. © Messe München GmbH

Zudem ist man – und das über alle Kategorien hinweg – weiterhin bemüht um Gewichtsreduzierung. Bei Freeride- und Tourenskiern kommt beispielsweise ein neuartiger Holzkern mit einer aufwendigen Fräsung zum Einsatz, der eine Gewichtsreduzierung von rund 25 Prozent ermöglichen soll. Das Thema zieht sich jedoch durch alle Skikategorien hindurch. Und die Hersteller gehen es kreativ an. Völkl beispielsweise experimentiert mit verschiedenen Holzsorten und Kohlefasern. Salomon baut in die Spitzen mancher Modelle eine Honigwabenkonstruktion ein, die Gewicht einsparen soll. Rossignol setzt gar auf Löcher im Inneren der Skispitzen – und nennt diese Technologie Air Tip. Einen Kern aus Tausenden zusammengeschweißten Co-Polymer-Röhrchen hingegen nutzen Head, Salomon und Nitro. Das Material von Koroyd wird in verschiedenen Dichten produziert und auch in Helmen verwendet. Die Verarbeitung führt zur Gewichtsreduzierung und soll für weniger Vibration und mehr Dämpfung sorgen. Verarbeitet wird es beispielsweise im Nitro Ultimate und Thunderbolt, im Head Total Joy und im Super Joy sowie in den Salomon Q- und X-Drive Series. Bei den All-Mountain-Damenmodellen  kommt teils Graphene zum Einsatz, ein Kohlenstoffmaterial, das aus dem Tennisschlägerbau stammt.

Apropos All-Mountain-Modelle: Ohne sie kommt auch in der kommenden Saison kein Hersteller mehr aus. Die neuen Modelle sind leichtgängig, verfügen über Rocker-Konstruktionen und sind sehr vielseitig. Sie verzeihen Fehler, bieten aber dennoch Stabilität, Wendigkeit und Präzision.

© Messe München GmbH

Was Schuhe und Bindungen angeht, erwarten vor allem die Snowboarder Neuigkeiten. Das zeigt schon das ISPO „Product of the Year“ in der Kategorie „Action“. Denn hier wurde in diesem Jahr eine Snowboardbindung ausgezeichnet: die „FC“ der Union Binding Company. Sie besteht aus geschweißtem Karbonstahl, der leichter ist als Titan. Es ermöglicht die Herstellung dreidimensionaler Bindungskomponenten, die optimalen Flex und Halt bieten sollen. Entwickelt wurde die Bindung in Zusammenarbeit mit „ASCL“, Automobili Lamborghini Advanced Composite Structures Laboratory. Das Material stammt also aus dem Karosseriebau. Ein Fokus bei den Herstellern liegt zudem auf der Verbesserung der Straps.

Bei Switchback Bindings können sich Snowboarder die Bindung selbst zusammenstellen.

Die Snowboardboots werden kürzer und kompakter. Außerdem experimentiert man immer mehr mit Materialien, die den Komfort steigern sollen. Dabei bedient man sich im Falle von Burton zum Beispiel sogar an Entwicklungen aus der Bekleidungsindustrie. Atmungsaktivität und Temperaturregulierung sind die Stichworte. So verwendet man beispielsweise Schlafsack-Technologie bei der Sohle, um die Wärme zum Fuß zurückzureflektieren. Für eine bessere Passform sorgt beim Burton Viking zudem eine Kombination aus der klassischen Schnürung im unteren Bereich und einem Schnellschnürsystem im oberen Bereich.

Leichter, bequemer, vielseitiger – wenn das keine guten Aussichten sind. Man darf sich freuen, auf das, was da kommt im Winter 2014/2015!

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