ISPO 2015 – Teil 2: Absolute Leichtigkeit bei Ski und Schuh

17. Februar 2015 - Katharina Teudt

Im zweiten Teil unserer ISPO-Serie stellen wir die neuen Produkthighlights aus dem Hartware-Segment vor. Schließlich sind ordentliche Skier, sichere Bindungen und bequeme Boots das A und O für jeden Skifahrer. Im Trendradar: Leichtbau, Skitouring und Hightech-Features.

Skitouring war eines der bestimmenden Themen auf der ISPO. © Elan/Klemen Razinger

So umfangreich das Angebot ist: die wirklich komplett neuen Technologien bei Skiern und Schuhen waren dieses Jahr überschaubar auf der ISPO. Vielmehr wurden bestehenden Konstruktionen um neue Features erweitert und alternative Materialen verarbeitet. Was dabei allen gemein ist: Die Leichtigkeit der Produkte liegt nach wie vor schwer im Trend. Hightech-Materialien gepaart mit neuem Rocker machen es möglich, dass Skier wieder länger und somit kraftsparender gefahren werden können. das liegt vor allem daran, dass an vielen Stellen bei Materialien und Shapes reduziert wird. Auffällig ist die veränderte Skigeometrie mit schmaleren Schaufeln, dünneren Skikernen und gewölbten Oberflächen.

Vielseitige Leichtigkeit Um das Gewicht zu sparen und gleichzeitig die Torsionssteifigkeit und Leistung zu erhalten, werden in viele Ski-Modelle leichte Materialien wie Balsa- und Paulownia-Holz sowie extrem stabile Titanal- und Hightech Carbon-Mixturen verbaut. Neben der Gewichtsreduzierung legen die Hersteller verstärkt Wert auf das möglichst breite Einsatzgebiet der Bretter. So findet sich in jeder Kollektion eine Allmountain-Serie, die dem Pistenfahrer einen Abstecher ins Gelände erlaubt. Bis zu 10 Prozent leichter ist zum Beispiel der Vantage 90 CTi von Atomic. Seine neue Carbon Tank Mesh-Konstruktion, ein superstabiles Gewebe, sorgt für einen steifen aber dennoch leichten Allmountain-Ski.

Auch K2, die Experten für echte Fun-Geräte, haben ein tolles Spielzeug für Piste und Gelände entwickelt. Der i Konic 85Ti verteilt mit der Konic-Technologie die Kräfte auf die Seitenbereiche, so dass Schaufel, Skimitte und -ende entlastet werden. Das Resultat ist mehr Stabilität auf der Kante und kontrolliertes Schwingen auch bei hoher Geschwindigkeit. Der vor allem im Rennsport etablierte Hersteller Head verarbeitet in seiner neuen Allmountain-Serie Instinct das leichteste, dünnste und stabilste Element der Welt: Graphene. Tennisspieler dürften das Material von ihren Schlägerrahmen kennen. Im Ski verbaut führt es zu ungeahnter Leichtigkeit, Balance und Fahrkontrolle.

Technische Finessen Ein Garant für hochwertige und wegweisende neue Ski-Konstruktionen ist Elan. Der slowenische Hersteller ist für seine Innovationskraft bekannt und hat auch dieses Jahr wieder einen ISPO Award für einen Ski eingeheimst. Der Amphibio 16 Ti2 enthält die neue Generation der Amphibio-Technologie mit Real-Tech-Design. Zu dem Hybrid-Ski mit Camber an der Innenkante und Rocker an der Außenkante kommen nun die Anpassungen an Schaufel und Ende hinzu. Die Fläche vor der Bindung enthält eine konvex gebogene Titanal-Einlage, die Fläche hinter der Bindung entsprechend eine konkave Einlage. Daraus entsteht eine vierdimensionale Konstruktion, die dank der gewölbten Laufflächen für harmonische Schwungein- und ausleitung sorgen. Außerdem werden Vibrationen um bis zu 30 Prozent verringert.

Mit Titanal arbeitet auch die Traditionsmarke Rossignol. Ihr neuester Clou nennt sich Prop Tech: Die verstärkende Titanal-Schicht auf der Oberseite des Skis ist in der Länge vorne eingeschnitten. Damit kann Flex-Energie über die in den Ski integrierte Metallschicht abgeleitet werden, was den Ski sicherer und einfacher steuerbar macht. Verarbeitet ist die Prop Tech in den Modellen der etablierten Pursuit-Linie. Flagschiff ist hier der Pursuit 800 Ti mit hervorragendem Kantengriff und präzisem Fahrverhalten.

Weltmeisterliche Profi-Ski In den letzten Wochen fanden die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in den USA statt. Dort stehen neben den Athleten auch immer ihre Skier im Rampenlicht. Sie sind schließlich nicht unwesentlich mitbeteiligt am Erfolg der Sportler, werden stets wie Trophäen herumgetragen und bei jeder Gelegenheit in die Kamera gehalten. Das weiß auch Rennprofi Marcel Hirscher zu schätzen, der bei der Ski-WM auf Atomic-Ski zwei Goldmedaillen eingefahren hat. Das Top-Racemodell ist der Redster Doubledeck Downhill, der jedem Speedfahrer eine wahre Freude bereiten wird. Das bissige Abfahrtsmodell unterstützt dank der RAMP-Technologie den Stand des Skifahrers und hält aktiv die Körperposition zentral über dem Ski.

Nachdem Viktoria Rebensburg bei der Ski-WM für die Riesenslalom-Rennen einen neuen Ski von Stöckli probierte, fuhr sie direkt zur Silbermedaille. Das spricht schon für sich. Die Schweizer Traditionsmarke liefert mit ihrer Laser-Serie aber auch starke Race-Ski für Slalom (Laser SL) und Riesenslalom (Laser GS). Beim spannenden Slalom-Finale fuhren Felix Neureuther und Teamkollege Fritz Dopfer mit starken Race-Modellen aus der Dobermann-Serie von Nordica zu Bronze und Silber.

Freie Fahrt für Freeride Ähnlich wie im Trendsegment Allmountain hat sich auch im Freeski-Bereich einiges getan. Allein das Design ist hier spannend, bieten doch die breiten Bretter jenseits der 95 mm Mittelbreite viel Fläche für grafische Verzierungen. Marken wie 4FRNT, Line oder Armada schmücken die Flächen mit ansehnlichem Artwork. Doch auch in der Performance haben die aktuellen Geländeskier einiges zu bieten. 4FRNT beispielsweise hat seinem Modell Kye 110 aus der Kye Peterson Pro Modell-Serie einen Vollholzkern aus Esche und Pappel sowie Tip-und-Tail-Rocker verpasst. Die technische Finesse liegt im Vibe Veil, einer Membran in der Schaufel, die Schläge abfedert und Flattern verhindern soll.

Eigentlich etabliert im Rennsport hat Fischer einen bemerkenswerten Freeride-Ski entwickelt. Dank einer Carbon-Schaufel, der gewölbten Oberfläche Aeroshape und dem Air Tec Ti-Holzkern ist der Ranger 108 eine der leichtesten Tiefschee-Latten. Ebenfalls interessant bei Fischers ist das neue Adaptive Motion Fluid (AMF). Das Material ist in die Skimitte eingebaut und versteift sich, je nach Krafteinsatz des Fahrers von selbst. Bei kräftesparender Fahrweise befindet sich der Ski im Cruise Modus, Kurven fahren sich leicht, geschmeidig und gut gedämpft. Erhöht der Fahrer die Belastung auf den Ski, verhärtet sich das Material im Inneren des Skikerns und gibt dem Ski einen steiferen Flex. Im Sport Modus wird das Setup sportlich und aggressiv.

Skitouren-Trend geht weiter Der Markt spezialisiert sich immer mehr auf den Trendsport Skitouring. In dem Segment steckt noch viel Potential, nicht nur bei der Gewichteinsparung, sondern auch beim Thema Abfahrt. Beides bestens vereint hat Atomic mit seiner Backland-Serie. Hier gab es bereits Skier, Rucksäcke und Felle. Nächsten Winter kommen nun superleichte Tourenskischuhe und eine Bindung hinzu. Vor allem der Schuh Backland Carbon Light ist ein wahres Gewichtswunder. Mit dem Free/Lock 2.0-Mechanismus lässt sich die Manschette unabhängig und losgelöst von der Schale bewegen und gewährt 74° Bewegungsfreiheit. Besonders innovativ ist die herausnehmbare Zunge, die noch einmal Gewicht wettmacht und das Modell im Aufstiegsmodus 987 Gramm leicht macht. Für die Abfahrt wird der Lock-Hebel umgelegt und der Schaft sitzt bombenfest. Ein weiteres Leichtgewicht präsentiert Blizzard mit dem Freetouring-Ski Zero G. Mit dessen superleichter Carbon Drive-Konstruktion, die den Holzkern und die Seitenwangen ummantelt und mit dem sich der Ski präziser steuern lässt, wiegt das Modell mit 108 mm Mittelbreite gerade einmal 1.750 Gramm. K2 hat mit dem neuen ECOre eine umweltfreundliche Technologie in das Tourenski-Modell Wayback 82 ECOre verarbeitet. Der Ski ist dank seines nachhaltigen Balsa-Holzkern mit integrierten Flachsfasersträngen sehr leicht und bietet gleichzeitig hohe Stabilität. Das leichte Balsa ist vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert und ebenso wie Flachs ein erneuerbarer, schnell wachsender und recycelbarer Rohstoff.

Nur feste Bindungen eingehen Im Skitouring-Bereich ist das Abfahrtserlebnis mittlerweile genauso wichtig wie der Aufstieg. Das wirkt sich auch auf die Bindung aus. Extrem leichte Modelle, die Dynafit perfektioniert hat (SnowTrex berichtete), sind da primär für Bergsprinter gemacht und weniger für die Abfahrt. Wer eine sichere Bindung sucht, die leicht genug für den Aufstieg und stabil genug für die Abfahrt ist, bekam auf der ISPO viele tolle Alternativen geboten. Das zurecht als „Product of the year“ prämierte Highlight ist die neue Tourenbindung Kingpin von Marker. Sie kombiniert die bewährte PinTech von klassischen Leichtbau-Tourenbindungen mit alpinen Qualitäten in den Hinterbacken. Das Ergebnis sieht nicht nur besonders aus, es ist es auch. Mit der technischen Kombination will Marker neben Stabilität und Kraftübertragung auch absolute Sicherheit gewährleisten. So ist die Kingpin die erste PinTech-Bindung der Welt, die nach DIN ISO 13992:2007 vom TÜV zertifiziert wurde. Mit leichten 730 Gramm pro Stück samt Bremse, ist sie zudem für einen weiten Einsatzbereich gemacht.

In Sachen Skifelle hat Fischer die aktuell größte Innovation im Peto. Das Profoil orientiert sich an der Crown-Technologie aus dem Nordic-Sport. Es besitzt ein gezacktes Profil, das durch verbesserte Gleiteigenschaften rund 20 Prozent größere Schritte zulässt und durch das der Sportler viel Kraft einspart. Das Material hält zudem noch zuverlässiger und nimmt kein Wasser auf, so dass es stets leicht bleibt.

Skischuh-Highlights Skischuhe sind eigentlich für sich ein großes Thema. Auf der Messe stachen jedoch einige Produkte ins Auge, die wir hier nicht vernachlässigen wollen. Gut vorgelegt hat die finnische Amer Sports Group mit ihren Marken Atomic und Salomon. Atomic landete mit der bereits erwähnten Backland-Serie einen großen Coup. Und auch Salomon geht jetzt trendgemäß auf Skitour. Die Franzosen sind bekanntermaßen im Freeride vorne mit dabei und punkten jetzt konsequenterweise mit einem vielseitigen Schuh. Der MNT Lab Boot aus der MTN-Serie gewann für seine Touring-Kompetenz gleich einen ISPO Gold Award. Mit einem 120er Flex und 47° Schaftneigung weist der Zweischnaller gleichermaßen gute Auftiegs- und Abfahrtseigenschaften auf.

Des Weiteren gab es viele Verbesserungen an bestehenden Modellreihen: Fischer hat seine thermoverformbare Technologie Vacuum Fit im Race-Schuh RC 4 (Flex 130) auf das Vacuum Full Fit erweitert. Full Tilt spart in seiner Descendent-Linie mit dem Evolution Shell ebenfalls an Gewicht und K2 hat sein Top-Freeride-Modell Pinnacle um eine austauschbare Außensohle erweitert. Die italienische Traditionsmarke Nordica hat seine Rennsport-Erfahrung in den gefragten Allmountain-Bereich übertragen. Das Highlightmodell nennt sich GPX 130, der Weltcup- und Big-Mountain-Features zu einem stabilen und vielseitigen Schuh kombiniert. Besonders ist auch der Custom Cork-Liner im Innenschuh, einem Harz-Kork-Gemisch, das auf natürliche Weise isoliert und sich an den Fuß anschmiegt.

Noch mehr Produktnews und Informationen zu den ISPO-Award-Gewinnern gibt es auf www.ispo.com.

Zum Thema: ISPO Trends – Teil 1 ISPO Trends – Teil 3

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