ISPO 2015 – Teil 1: Modetrends für Piste und Après-Ski

11. Februar 2015 - Katharina Teudt

Die ISPO, die weltweit größte Sportartikel-Fachmesse, öffnete vom 5. bis 8. Februar 2015 in München wieder ihre Türen. Hier traf sich das Who-is-who der internationalen Sportartikelindustrie zum Netzwerken und um dem Fachpublikum die technischen und modischen Neuheiten bei Funktionsbekleidung, Hardware und Zubehör vorzustellen. SnowTrex war dabei und hat die Fashiontrends von morgen aufgespürt.

© Messe München GmbH

Die ISPO wächst jedes Jahr: diesmal waren 2.585 Aussteller vor Ort, die sich auf einer Ausstellungsfläche von 104.940 m² (netto) ausbreiten konnten. Von der modischen Winterjacke bis zum technischen Zubehör überschwemmte eine Materialflut an neuen Produktlinien und Innovationen die 16 Messehallen – ein Paradies für jeden Wintersportler. Einziger Wermutstropfen: die Produkte stehen nicht zum Verkauf. Denn die Messe gibt Fachbesuchern lediglich einen Ausblick auf die kommende Wintersaison 2015/2016.

Erster Eindruck Die großen Schlagworte der Skibekleidungsbranche sind wie auch schon im letzten Jahr: leichter, beweglicher, schicker. Die Hersteller haben sich mächtig ins Zeug gelegt und präsentieren innovative Neuheiten, die so gut wie alles können und dabei so wenig wie möglich Gewicht auf die Waage bringen. Beim Thema Isolation und Bodymapping zum Beispiel wurde an bestehenden Materialien gefeilt und weiterentwickelt. Die Vermischung von Stoffen und Stilen ist weiterhin Trend. In der Designsprache finden sich verstärkt Streetwear-Anklänge bei Skijacke und Co. und Wolle oder Filz wird mit Synthetik kombiniert. Lange Schnitte mit Parka-Optik und großen aufgesetzten Taschen sind keine Seltenheit. Schließlich möchte man auch nach dem Skifahren beim Après-Ski auf der Alm gut ausschauen. Auch die Ski- und Snowboardhosen sind schmaler und bewegungsorientiert geschnitten. Extremer Baggy ist nur noch bei vereinzelten Labels mit entsprechendem Image zu finden.

Farbtrend abseits von Neon Wie verrückt die Designs auch sind, die Farbpalette ist eine Spur ruhiger als die neonlastigen Kollektionen der vergangenen Saisons. Farbe gibt es also nach wie vor satt, aber meist unter dem Motto „weniger ist mehr“. Ein oder zweifarbige Jacken und Hosen werden mit gedeckten Tönen kombiniert. Oder aber das Zubehör von Helm, Brille und Handschuhe dienen als Farbtupfer auf sonst einheitlichem Look. Männern wird kommenden Winter ein kraftvolles Orange, dazu Grün-Töne, sattes Dunkel-Blau und Rot auf den Leib geschneidert. Frauen bekommen eigens feminin-angepasste Farben, wie Hell- und Royalblau, frisches Mint, leuchtendes Pink und tiefes Violett. Neon taucht allenfalls in Form von Details wie Zipper oder im Labelprint auf.

Neue Funktionsstoffe Neben den Designs steht die Materialentwicklung an oberster Stelle. Hier sollen vor allem Tragekomfort und Wetterschutz immer weiter verbessert werden. Ein vielversprechender Stoff ist zum Beispiel das neue Gore-Tex C-Knit, das Highlight von W.L. Gore & Associates, dem Hersteller der Gore-Tex-Textilien. Die Futteral-Technologie ist eine Laminatkonstruktion, die als unterste Schicht unter Membran und Obermaterial eingefügt wird und das finale 3-Lagen-Laminat weicher und flexibler macht. Dazu ist es rund zehn Prozent leichter und bis zu 15 Prozent atmungsaktiver als vergleichbare Stoffe. Verarbeitet wird das bequeme Futter künftig in Produkten großer Marken wie Arc’teryx, Berghaus, Mammut, Salewa, The North Face und Ziener.

Auch die Isolationsspezialisten von Primaloft waren nicht untätig. Besonders schweißtreibende Aktivitäten sollen nun mit dem Primaloft Silver Insulation Active bewältigt werden. Deren kleine Synthetik-Fasern werden dank einer speziellen Verarbeitung in ihrer Struktur fixiert und sind dadurch besonderes wärmeeffizient und atmungsaktiv, aber gleichzeitig auch extrem komprimierbar. Vor allem der Einsatzbereich bei gleichbleibend hoher aktiver Wärmeisolierung konnte so vergrößert werden. Nun kann das Material mit unterschiedlichen Oberstoffen kombiniert und in verschiedenen Produktlinien der Launch-Partner wie z. B. Eider, Helly Hansen, La Sportiva, Mammut, Marmot, Montane, Norrøna, Puma oder Vaude verarbeitet werden. Wer mehr auf den natürlichen Materialanteil Wert legt kann das allseits gefragte Merino nun in einer neuen Variante tragen. Polartec Power Wool ist ein neue Hybrid-Faser, die Merinowolle und Polyester in einer Zwei-Komponenten-Strickkonstruktion verbindet. Das innen liegende Merino leitet den Schweiß nach außen, wirkt angenehm geruchshemmend und temperaturregulierend. Die außenliegenden Synthetikfasern halten den Stoff formbeständig und verteilen Feuchtigkeit großflächig, so dass sie besser verdunsten kann.

Skandinavische Funktion Eine große Vielfalt an hochwertigen Bekleidungsmarken kommt aus dem kreativen Norden Europas. Die Schweden, Finnen und Norweger liefern uns seit Jahren beständig hochwertige Textilien für den Bergsport und die Stadt. Man denke nur an Fjällräven, die mit ihrem kleinen kantigen Rucksack-Modell „Kranken“ den Urban Style prägten. Auf der ISPO gibt es sogar eine eigene Scandinavian Village, in der die gesamte nordische Produkt-Palette von Rucksack bis Skitourenoutfit präsentiert wird. Viel Raum nimmt dort beispielsweise die Bergsportmarke Haglöfs ein, die im Winter 15/16 vor allem Neues für die Damen parat hat. Ihre ganz neue Linie Skade ist von und für Freeriderinnen entwickelt worden und richtet sich ausschließlich an Frauen. In der nordischen Mythologie ist Skade die Göttin des Winters und des Skifahrens, was trefflich für das Einsatzgebiet der Modelle steht. Die Jacke-Hose-Kombination mit dem neuen Gore-Tex C-Knit hält auch beim Tiefschneefahren dicht, ist gleichzeitig atmungsaktiv und fühlt sich von außen besonders weich an. Außerdem wartet Haglöfs mit so vielen isolierenden Modellen auf wie noch nie. Das könnte an der neuen QuadFusion Pro-Isolation liegen, einer Daunen-ähnlichen Kunstfaser, die beste Wärmeleistung verspricht.

Ein etwas anderes Konzept verfolgt Norrøna. Die Marke mit dem Wikingerkopf-Logo konzentriert sich jede Saison nur auf zwei Linien, die dann mit vielen kleineren Neuerungen und wertvollen Features aufwarten. Diesmal waren es die Freeride-Serie røldal und die Skitouren-Serie lyngen, die überarbeitet wurden. In letzterer sind die alpha100 Vest und die alpha100 ¾ Pants die Highlights, die als erste, zweite oder dritte Lage tragbar sind. Ihr Polartec Alpha-Material ist schnell trocknend, extrem leicht und speichert Körperwärme. Die ¾-Hose lässt sich mit dem seitlichen Reißverschluss komplett öffnen und kann nach einer schweißtreibenden Skitour schnell und einfach übergezogen werden, ohne die Skischuhe ausziehen zu müssen. Diese Innovation verdiente sich dieses Jahr einen ISPO Gold Award im Segment Ski. Ebenfalls einen ISPO Gold Award für ihre Konstruktion gewonnen hat Peak Performance. Die schwedische Marke ist bekannt für farbenfrohe und hochwertige (und leider auch sehr hochpreisige) Skimode. Das Skijacke- und Hose-Set Dyedron besitzt die öko-freundliche DryDyed-Technik. Dank ihr können die Produkte komplett ohne Wasser gefärbt werden. Dadurch werden 50 Prozent weniger Energie und Chemikalien benötigt als bei herkömmlichen Färbeprozessen. Außerdem sind das Außenmaterial, die Membrane, das Innenfutter, die Wattierung und viele weitere Details der Kombi aus 100 Prozent recyceltem bzw. recycelbarem Polyester.

Weniger für die Piste, aber dafür umso besser für den eleganten Auftritt beim Après-Ski, sind die modischen Parkajacken von Didrikson. Die Marke aus dem schwedischen Grundsund hat ihre Wurzeln in der Fischerei, für die sie ursprünglich Ölzeug produzierte – man denke an den klassischen Friesennerz. Heute ist von den gummierten Stoffen wenig übrig. Wasserdicht sind die Mäntel heute noch, aber weitaus modischer, atmungsaktiver und bestens für Piste und Skihütte geeignet. Didrikson setzt nicht nur auf Stylefaktor mit Pelzkragen und Street-Look. Ihre Eco-Progressive-Linie ist aus recycelten und PFC-freien Materialien hergestellt. So wie Didrikson und Peak Performance achten auch viele andere Outdoormarken verstärkt auf die nachhaltige Produktion ihrer Materialien. So sind mittlerweile sehr viele Marken Bluesign-zertifiziert oder haben eigene Label entwickelt, die auf einen Blick belegen, dass das jeweilige Produkt fair und umweltschonend hergestellt wurde.

Ungebrochener Nachhaltigkeitstrend Womit wir beim großen Überthema der Messe wären: Das umweltbewusste Denken und der Wunsch nach ökologisch einwandfreier und nachhaltig produzierter Ware ist dem Konsumenten wichtig und die Hersteller reagieren darauf. Immer mehr wird der Fokus auf das Recycling gelegt. Funktionsstoffe aus PET-Flaschen, Textilresten oder branchenfremden Werkstoffen werden umweltschonender und günstiger hergestellt. Alle Hersteller, mit denen wir sprachen, verkünden für ihre neue Kollektion: Wir liefern PFC-frei imprägnierte Ware. Paradebeispiel ist die Marke Houdini – noch eine aus Schweden. Das Corner Jacket ist ein 3-Lagen-Hardshell, dessen Materialien zum Großteil recycelbar und komplett PFC-frei sind. Dank des neuen Bionic Finish Eco ist es vor Verschmutzung und Nässe geschützt, die hydrophile Atmos-Membran macht es zudem wind- und wasserdicht. So viel Nachhaltigkeit brachte dem Modell einen ISPO Gold Award ein. Darüber hinaus verkauft oder verschenkt Houdini die alten aber noch guten Produkte über ein Second-Hand-System und verleiht sogar Jacken. Hier wird der Eco-Trend tatsächlich auf allen Kanälen gespielt.

Der Bereich alternativer Rohstoffe wird auch immer interessanter. Nach Hanf, Merinowolle, Bio-Baumwolle, Bambus- und Kokosfaser wird nun sogar Kork verarbeitet. Die französische Marke Picture beispielsweise stattete ihre Jacken und Caps mit Korkpartien aus (SnowTrex berichtete). Noch weiter entwickelt ist das Corkshell von Schoeller. Es gilt als nachhaltige, umweltfreundliche Alternative, da das Tantum-Material aus einem Nebenprodukt stammt, das bei der Herstellung von Weinkorken entsteht. Outfits mit diesem Gewebe isolieren gut, sind wasser- und windabweisend und sehr dehnbar. Und noch weitere Eco-Ideen sind auf dem Vormarsch. Der Membran-Spezialist Toray etwa hat eine Dermizax-Membran aus pflanzenbasierten Ressourcen entwickelt und Haglöfs erdachte mit dem eigenen Label „Take care“ ein Erkennungsmerkmal, dass den Bluesign-Standard der Produkte und die Zugehörigkeit zur FairWear Foundation unterstreicht. Das Ende der Eco-Fahnenstange ist also noch längst nicht erreicht.

Bunte Baselayer Was die Designsprache angeht, hat sich wohl am meisten im Bereich Erste-Schicht-Bekleidung (Baselayer) getan. Die Funktionsunterwäsche ist längst nicht mehr grau und rein funktionell, sondern mindestens ebenso farbenfroh wie die äußeren Bekleidungsschichten. Und auch im Unterwäsche-Geschäft preschen die Skandinavier wieder vor. Die Finnen von Kari Traa machen es mit quirligen Styles und tanzenden Wäschemodels auf der Messe vor. Mehr als nur Baselayer bietet die neuseeländische Marke Mons Royale mit stilvollen Merino-Outfits. In der Kollektion finden sich auch mal ein Merino-Shirt im Flanell-Look oder ein Jumpsuit mit dem treffenden Namen Monsie. Ganz nach dem Motto „You can go, where ever you go“ bietet der Overall mit Zwei-Wege-Zipper am Gesäß ein äußerst praktisches Feature. Salonfähig wurden die Overalls durch das norwegische Mode- und Sportlabel One-Piece, die ihre Jumpsuits zum Must-Have etablierten und die nun auch in Deutschland durchstarten. Mons Royale stattete mit ihren weichen, geruchshemmenden Baselayern das neuseeländische Olympia-Team aus und hat darüber hinaus auch funktionale Unterwäsche und kuschelweiche Socken für Skifahrer im Angebot.

Preisgekrönte Newcomer Die ISPO vergibt jedes Jahr den prestigeträchtigen Brand New Award an innovative Start-Ups. Der Over-All-Gewinner dieses Jahr ist die neue Bekleidungsmarke Onoo aus München. Ihr Clou: Sie kombiniert den traditionellen Loden auf gekonnte Weise mit Teflon-Beschichtung. Die Schurwolle hält warm und ist wind- und wasserabweisend. Für mehr Bewegungsfreiheit sind am Rücken und unter den Armen Stretchstoffe vernäht. Dieser Urban Style hat Stil und macht sich garantiert gut beim Après-Ski. Die ersten drei Herren-Modelle Lehel, Westend und Sendling – benannt nach Münchner Stadtteilen – sind ab Herbst im Handel erhältlich und werden bei erfolgreichem Einstieg hoffentlich irgendwann auch um Damenschnitte erweitert.

Was gab es noch? Im Rahmen der ISPO präsentierte sich zum ersten Mal die neue Initiative „Dein Winter. Dein Sport“. Das Bündnis des Deutschen Skiverbandes (DSV), des Deutschen Skilehrerverbandes (DSLV) und des Snowboard- Verbands Deutschland (SVD) will zukünftig verstärkt Wintersport fördern und neue Zielgruppen gewinnen. Aktiv unterstützt wird die Kampagne von früheren und aktiven Spitzenathleten aus dem Wintersport, unter anderem Magdalena Neuner, Uschi Disl, Martina Ertl-Renz, Anni Friesinger, Markus Wasmeier und Felix Neureuther. Darüber hinaus gab es wie jedes Jahr auf der Messe noch viele weitere Foren, Diskussionsrunden und zahlreiche anregende Gespräche zwischen Branchenkennern. Weitere Infos zur weltweit größten internationalen Fachmesse für Sportartikel unter www.ispo.com

Zum Thema: ISPO Trends – Teil 2 ISPO Trends – Teil 3

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