ISPO 2016 – Teil 3: Sicheres Zubehör & Accessoires

16. Februar 2016 - Katharina Teudt

Auf der ISPO stechen jedes Jahr Fokus-Themen aus der Produktmasse heraus. Diesmal ging es im Bereich Wintersport-Zubehör wieder verstärkt um den Sicherheitsaspekt am Berg. Neues gab es besonders in Sachen Leichtigkeit und sicheres Material bei Helmen, Rucksäcken und Schneebrillen.

Großes Sichtfeld, wenig Rahmen und viel Style – wichtige Features aktueller Schneebrillen. © adidas Sport eyewear – Athletes

Die ISPO bewies ein ums andere Mal: Das Ende der Entwickler-Freudigkeit ist noch lange nicht erreicht. Wenn man meint, es geht nicht mehr raffinierter, kommen die Hersteller von Skihelmen, Schneebrillen und Lawinen-Rucksäcken und belehren uns eines Besseren. Es werden Glaseigenschaften verbessert, Schalenformen individualisiert und Airbags automatisiert. Immer im Fokus: die Sicherheit am Berg.

Neue Sicherheitsstufe bei Lawinen-Rucksäcken

Sicherheits-Equipment ist nach wie vor ein bestimmendes Thema im Wintersport und wird gerade in Zeiten von Skitouring und Freeride-Camps besonders vorangetrieben. Ein wichtiges Utensil, an dem ordentlich gefeilt wird, ist daher der Lawinen-Airbag. Hier konzentriert man sich derzeit auf Gewichtsreduktion und optimierte Auslöse-Systeme. Schließlich belegen Statistiken, dass jedes fünfte Lawinenopfer seinen Airbag zu spät oder gar nicht öffnet, konstatiert zumindest Hersteller ABS. Entsprechend bringt dieser ein ganz neues Auslöse-System auf den Markt. Der P.Ride von ABS ist der erste Lawinen-Airbag, der eine Partnerauslösung per Funk ermöglicht. Am Auslösegriff, der übrigens für Linkshänder auch am rechten Schultergurt befestigt werden kann, befinden sich neben dem Hebel mehrere LED-Lämpchen. Sie zeigen die per Funk verbundenen Airbag-Partner an. In einer Gefahrensituation kann über den Auslösegriff entweder der eigene Airbag, der des Partners oder von mehreren gleichzeitig geöffnet werden. Außerdem enthält der P.Ride zwei Airbags, Zwillinge sozusagen, falls sich einer nicht öffnet oder beim Öffnen kaputt geht. Das TwinBag-System ist seitlich angebracht, was den Träger in eine flache Position bringt und so den Ankereffekt in der Lawine mindert. Außerdem besitzen die Airbags durch eine spezielle 3D-Webtechnik eine 30 Prozent größere Auflagefläche. Das erhöht nochmals die Chance, oben zu bleiben.

ABS P.Ride

Eine weitere interessante Neuentwicklung enthält der Avabag von Ortovox. Bemerkenswert ist erst einmal seine Leichtigkeit: Das Modell wiegt nur 640 g, besitzt ein Volumen von 1,8 l und ist somit das leichteste Airbag-System am Markt. Eine nahtlose Schweißtechnik und die Beschränkung auf das Nötigste machen diese Gewichtsreduzierung möglich. Seine eigentliche Spezialität ist aber der Auslöse-Mechanismus: Das System funktioniert auch ohne Kartusche, die aus dem Rucksack herausnehmbar ist. Der Auslöser kann dann immer noch beliebig oft betätigt werden. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass das Öffnen des Airbags geübt werden kann. Der Auslösegriff selbst ist Design-optimiert, damit er schnell zur Hand ist, aber auch bequem verstaut werden kann. Das ausgeklügelte System gewann prompt den begehrten ISPO Award “Product of the Year”.

Der Ortovox Avabag mit visualisierter Kartusche.

Weltneuheit unter den Skihelmen

Ebenfalls einen ISPO Award erhielt Alpina. Der Schutzhelm-Hersteller zeigt mit einer neuen Technologie, was alles aus einem Skihelm rauszuholen ist. Die Konstruktion im Modell Attelas nennt sich Ergo³, bei der sich die Schale dreidimensional und individuell an den Kopf anpasst. Sie besteht aus zwei Modulen, wobei die Innenschale mittels eines Rastermechanismus‘ in drei verschiedenen Positionen eingestellt werden kann. Dazu ist in die Schale ein HI-EPS-Schaum eingefügt, der mikroskopisch kleine Luftkammern besitzt, die beim Aufprall wirkende Kräfte absorbieren.

Alpina Attelas

Einen Alleskönner in Sachen Kopfschutz hat auch Uvex parat: Der p.8000 tour erfüllt in double-inmould-Bauweise nicht nur die DIN-Norm für Ski- (EN 1077 B), Kletter- (EN 12492, UIAA 106) und Bikehelme (EN 1078). Er ist mit 310 g auch sehr leicht und mit dem Boa-Drehverschluss-System gut anpassbar. Was die variable Anpassung an die Kopfform angeht, hat Uvex auch die Octo+Technologie weiter optimiert. Bei dieser Kopf-Krake umschließen elastische Lamellen den Kopf von allen Seiten und ziehen sich nach dem Aufsetzen automatisch zusammen.

Uvex p.8000 Tour

Individualisierte Anpassung ist im Helmbereich also weiterhin ein Thema.

Sicher und noch leichter

Für Skitourengeher hat Dynafit eine komplett neue Helm-Serie für Aufstieg und Abfahrt entwickelt. Das besondere an den Tourenhelmen: Sie erfüllen die Ski Alpin- sowie die Bergsteiger-Norm. Das leichteste Modell ist für Skitouren-Rennläufer gemacht und wiegt gerade einmal 290 g. Damit ist er sogar der leichteste Skitourenhelm am Markt. Was spezielles Helm-Interieur angeht, kennt sich auch POC aus. Das Gewinner-Model von der letzten ISPO wurde in der Pro-Version noch einmal verbessert. Im Multi-Impact-Innenfutter ist nun das stoßdämpfende VPD 2.0 Material eingearbeitet. Das Modell ist somit noch robuster, sicherer und soll noch attraktiver für Park&Pipe-Fahrer werden.

Das Innenleben des POC Auric Pro.

Extrabreiter Durchblick

Mit dem Skihelm geht meist der Kauf der passenden Skibrillen einher, damit die Passform exakt abgestimmt ist. Wir haben zwei Schmankerl gefunden, für die sich ein Umdenken lohnt. Warum nicht zuerst die Brille aussuchen und dann erst den Helm? Adidas Sport eyewear bringt mit der Progressor-Serie ein paar „ganz große“ Goggles auf den Markt. Die Gläser der Pro Back sind enorm breit und das Design in fetzigem Gelb macht gute Laune. Die Goggle besteht aus einem Hauptrahmen (podcarrier) und zwei Teilrahmen (lenspods) mit integriertem Filter. Einer ist zylindrisch und liefert gute Sicht unter verschiedenen Wetterbedingungen, der andere ist sphärisch, sodass der Träger ein vergrößertes peripheres Sichtfeld hat. Netter Style-Faktor: Zu der Skibrille kommen modische Sonnenbrillen mit UV-Schutz hinzu, die im Mix-&-Match-Prinzip zu trendigen Brillen-Sets kombiniert werden können.

Das adidas Sport eyewear-Modell Pro Back mit zylindrischer Scheibe.

Eine komplett neue Serie Frameless-Goggles präsentiert das Unternehmen Marker, das sonst für seine hochwertigen Skibindungen bekannt ist. Zu dessen Protective Snow Equipment gehören Helme, Schneebrillen und Protektoren, wobei es uns besonders die rahmenlosen Goggles angetan haben. Das neue Modell nennt sich 16:10 Otis und hat einen äußerst sparsamen Rahmen, in den eine sphärische Scheibe eingesetzt ist. Dazu ist der Polsterschaum mit dem 3 mm dicken MAP-Material beschichtet. Das spezielle Polymer passt sich der Gesichtsform geschmeidig an und absorbiert bis zu 22 Prozent mehr Krafteinwirkung, zum Beispiel von Schlägen bei Stürzen. Das zeigt, auch bei Schneebrillen geht Sicherheit vor.

Das Protective Snow Equipment von Marker ist stylisch und sicher. © Marker Völkl International

Geniales Leucht-Spray

Sicherheit auf der Piste wird auch durch bessere Sichtbarkeit unterstützt. Dazu hat sich der Skiwachs-Hersteller Holmenkol etwas ausgedacht und bringt mit seinem Reflective Marking Spray einen echten Innovationsknüller heraus: Ein Spray, das Skier und Kleidung zum Leuchten bringt! Das Spray kann auf Metall, Kunststoffe oder Textilien aufgetragen werden und macht die Materialien sichtbar. Denn wird es von einer auch noch so schwachen Lichtquelle angestrahlt, reflektiert es das Licht. Das ideale Gimmik für die letzte Abfahrt in der Dämmerung oder das Nachtskifahren. Nach dem Gebrauch ist es übrigens problemlos wieder abwaschbar.

Neuartiger Schneeschuh

Eine echte Innovation in Sachen Schneeschuhe kommt dieses Jahr aus Norwegen. Der Fimbulvetr Hikr ist ein sehr leichter und robuster Schneeschuh, der aus nur 17 Einzelteilen und schadstoffarm produziert wird. Er ist zu 100 Prozent recycelbar. Seine technische Besonderheit ist jedoch ein ganz spezielles Design-Element: das AllDirectionHinge. Das patentierte Gelenk ist in der Mitte des Schuhs angebracht, verteilt einwirkende Kräfte gleichmäßig und ermöglicht eine Bewegung in alle Richtungen, was das Auf- und Absteigen sowie Queren erleichtert.

Mit leichtem Schneeschuh geht es den Berg rauf. © Fimbulvetr – Daniel Tengs

Hand(-schuh) aufs Herz

Es gibt wohl kaum etwas Luxuriöseres und Gemütlicheres als beheizbare Handschuhe. Die Capstone Heated Gloves aus dem Hause Outdoor Research sind solch ein elektronisches Exemplar. Sie gelten als eines der wärmsten Modelle am Markt, ihre Wärmeleistung ist vierfach stärker als bei vergleichbaren Modellen. Sie besitzen zwei aufladbare Lithium-Ionen-Batterien pro Handschuh, die in der Stulpe verstaut sind und bis zu 8 Stunden Wärme spenden. Die anatomisch vorgeformten Finger, verschiedene Fütterungen an Handrücken (Primaloft) und Handflächen (EnduraLoft), wasserabweisendes Ziegenleder, Gore-Tex-Membran sowie die Touchscreen-kompatible Sensor-Technologie an Zeigefinger und Daumen geben dem Modell zusätzlich hohen Komfort.

Capstone Heated Glove von Outdoor Research

Unser Lieblingsteil

Besonders angetan hat es der Redaktion der Baron Mitt von Dakine. In die Leder-Handfläche des Fäustling-Pro-Modells ist ein Gesicht geprägt. Das eigenwillige Design stammt von Freeski-Profi Chris Benchetler. Das Material ist ebenfalls nur vom Feinsten: Eine Kombination aus Schurwolle-Innenhandschuh und Primaloft-Fütterung hält warm, die Gore-Tex und Gore-Grip-Technologie sorgen für trockene Hände und guten Grip.

Lieblings-Fäustling von Chris Benchetler: der Baron Mitt von Dakine.

Das war natürlich wieder nur ein winzig kleiner Einblick in die riesige Produktvielfalt, die bald in den Fachgeschäften zu finden sein wird. Am besten wird sein, sich selbst ein Bild zu machen – um dann, Ende 2016, mit den Neuerwerbungen in die Berge zu fahren!

Mehr zum Thema: ISPO Trends – Teil 1 ISPO Trends – Teil 2

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