ISPO 2016 – Teil 2: Neue Styles in der Skimode

9. Februar 2016 - Katharina Teudt

Gerade in Sachen Mode gibt es auf der ISPO eine Fülle an Produktneuheiten zu entdecken. Wir haben ein paar Stilhappen herausgepickt, die das Zeug zum neuen Lieblingsteil haben.

Skitourer tragen am Berg gerne leichte Daune und winddichte Softshells. © Bergans – Fredrik Schenholm

Die Auswahl an modischen Winterstyles ist so vielseitig wie die Abfahrtsmöglichkeiten auf einer jungfräulichen Piste am Morgen – unendlich! Schlichtes Design mit klaren Farben, dazu hochwertige Stoffe und das alles leichtgewichtig und hochfunktional, so in etwa lässt sich der Modetrend in der Wintersportbekleidung zusammenfassen. Aktuelle Highlights sind recyceltes Obermaterial, Eco-Beschichtung und neue Daunenvariationen.

Schicke Outfits am ISPO-Stand von Peak Performance.

Nachhaltige Styles weiterhin gefragt

Hinter dem perfekten Winteroutfit von heute stehen eine umweltfreundliche Herstellung, faire Arbeitsbedingungen und chemikalienfreie Stoffbehandlung. So zumindest lautet der Wunsch der Mehrheit deutscher Kunden, wie jüngst eine Umfrage des Instituts YouGov herausstellte (SnowTrex berichtete). Die eine oder andere Outdoormarke ist auf einem guten Weg, diesem Wunsch zu entsprechen. Bergans etwa leitet mit seiner Eidfjord Jacket eine neue Öko-Stoff-Ära ein. Die Outdoorjacke besitzt das neuartige Obermaterial „ecodear“, das zu 30 Prozent aus pflanzenbasiertem Polyester besteht. Das Material wurde vom Textilherstellers Toray entwickelt und markiert nach eigenen Angaben einen Meilenstein in der Entwicklung ressourcenschonender Kunststoffe, die aus nachhaltigen Rohstoffen gewonnen werden. Auch die Produktentwickler bei Haglöfs haben einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung ökologische Herstellung getan. Auf der ISPO präsentierte die schwedische Marke ihre erste bluesign-zertifizierte Recycling-Jacke aus drei-lagigem Gore-Tex. Der Kern der Selja Jacket ist die Innenjacke aus Pertex Eco sowie die QuadFusion-Isolation, beide aus 100 Prozent recyceltem Polyester hergestellt. Wie man sieht, treten neben dem Bestreben um Nachhaltigkeit die modischen Aspekte nicht in den Hintergrund.

Die Damen-Ausführung der Selja Jacket von Haglöfs.

Leuchtende Unifarben, ergonomische Schnitte und die obligatorischen Features sind in den Kollektionen nach wie vor zu finden. Die hohe Funktionalität soll dabei in jedem Fall gewahr bleiben – was unter anderem der Membran-Entwicklung zu verdanken ist.

Neue Membran-Generation

2015 führte Gore-Tex die neue Futter-Technologie C-Knit ein. Das Gewebe zeichnet sich durch eine spezielle Struktur aus und wird unter der eigentlichen Membran vernäht. Die neue Membran mit C-Knit hat einige Vorteile: sie ist leichter, atmungsaktiver, fühlt sich weicher an und ist leiser (raschelt bei Bewegung weniger). Dank der weichen Haptik und dem recht breitem Einsatzbereich wird sie in immer mehr Modellen verarbeitet. Gut zwei Dutzend Marken verwenden das neue Material bereits in ihrer Funktionsbekleidung. Bei der Freeski-Marke Armada sind es zum Beispiel die Damen-Jacken der Vector-Linie, welche mit dem soften, atmungsaktiven Material versehen sind.

Die Armada Vector Jacket für lässige Ladies.

Für die Männer gibt es hingegen die Skijacke mit dem etwas robusteren Gore-Tex Pro Shell.

Die Männervariante der Armada Vector-Jacke.

Auch das Highlight-Modell aus der neuen Tamok-Linie von Norrøna ist mit C-Knit ausgestattet. Die Gore-Tex-Jacke ist ein wasserdichtes Drei-Lagen-Teil mit recyceltem Obermaterial. Im Übrigen ist das Tamok-Design mal etwas anderes: Mit erdigen Tönen, langen Schnitten und großen Cargo-Taschen ist es deutlich schlichter als das der anderen Freeride-Linien der finnischen Marke.

Das Dri2Jacket aus der neuen Tamok-Linie von Norrøna.

Innovative Daunen-Wärme

Was wäre ein Winterurlaub ohne schicke Daunenjacke? Zum Stadtbummel bei Minusgraden, aber auch für Skitouren ist dieses warme und doch so leichte Kleidungsstück unverzichtbar. Ein außergewöhnliches Exemplar mit 800er-Daunenfüllung ist das OutDry Ex Diamond Down Insulated Jacket von Columbia. Diese Jacke kann einfach alles. Sie ist warm, wasserdicht und extrem atmungsaktiv. Dazu ist ihr Look besonders, denn die geklebten, versiegelten Nähte liegen außen und sind sichtbar. So wird auf einen Blick klar: diese Jacke hält dicht. Aber keine Sorge, die Feuchtigkeit wird über eine atmungsaktive Gewebeschicht auf der Innenseite der Membran nach außen transportiert.

Verschweißte Nähte außen, Wärme drinnen: OutDry Ex Diamond Down Insulated Jacket von Columbia.

Wattierte Neuheiten gibt es auch bei Bergans. Die Norweger setzen in ihrer Winterkollektion einerseits auf klassisches Design, andererseits auf neuartige Materialmixturen. Das Modell Kronsberg Insulated beispielsweise ist eine Softshell-Jacke mit warmer Wattierung: Weiches Stretchmaterial außen und warme Primaloft-Füllung innen – das gab es so noch nicht. Daunenspezialist Yeti macht es genau anders herum. Die Marke hat erstmals eine technische Hardshell-Jacke als Männer- und Damenmodell in der Kollektion. Natürlich besitzt auch diese eine wärmende Daunenwattierung. Dank des Bionic finish eco hat das Modell außerdem eine umweltfreundliche Beschichtung. Das Highlight von Yeti ist jedoch die Wende-Daunenjacke Mata für Frauen bzw. Maison für Männer.

Yetis neue Wendejacke Maison.

Sie wiegt gerade einmal 350 g und kommt im klassischen Daunenkammer-Stil daher. Die Außenseite besitzt griffiges Ripstop, das Gewebe auf der Innenseite ist hingegen mit DRW-Beschichtung versehen. So hält sie je nach Bedarf warm und trocken.

Leichtes für Skitourer

Das Bergsteigen mit Skiern oder Splitboard, das sogenannte Ski-Mountaineering, ist bereits fest in der Wintersportszene etabliert. Auch die großen Marken im Geschäft haben das erkannt und die entsprechenden Linien in die Kollektionen aufgenommen. Das schweißtreibende Aufsteigen bei Wind und Wetter bedarf nach leichten Windstoppern, die warm halten, aber auch Schneefall abhalten. Hier wären etwa die Highlights von Salewa zu nennen: die Sesvenna-Kombi aus Windstopper-Jacke und Durastrech-Hose mit waschbarem Wollvlies. Beide Teile sind auf maximale Bewegungsfreiheit sowie widrige Wetterbedingungen am Berg ausgelegt. Bei der Jacke ist vor allem die Unterarmkonstruktion interessant, die das nervige Hochrutschen verhindert. Die Hose besitzt ergonomisch geformte Kniepartien, einen großzügigen Kantenschutz und ist an den neuralgischen Stellen mit isolierender Wolle von Tiroler Bergschafen verstärkt. So schlicht und modern das neue Adler-Logo auf der Brustpartie prangt, so ist auch das gesamte Design-Konzept der Linie aufgezogen: einfarbig, gradlinig, schick.

Die Sesvenna-Kombi von Salewa.

Auf den richtigen Trainingseffekt setzt kommenden Winter La Sportiva. Die Italiener bringen eine ganz neue Trainings-Linie für Skibergsteiger heraus – damit auch die sportive Vorbereitung für die nächste Skitour modisch vonstattengeht. Extrem dünn und leicht sind die Teile, dafür robust und in modischen Pastelltönen gehalten. Wiederkehrende Highlights bei den Funktionstextilien von La Sportiva sind die EKS-Technologie (einem Stoffkonstrukt aus 60 Prozent Polyester und 40 Prozent Merinowolle), die Primaloft-Isolierung sowie das elastische Material Tech Stretch Pro Guard für mehr Agilität beim Sport.

Tourengehen ist bei La Sportiva bunt.© Giampaolo Calza

Starke Farbspiele

Frischer Style-Wind weht auch bei Dynafit. Der Skitouren-Experte bringt mit Carbonio eine giftgrüne Komplett-Linie für Skitourer heraus. Die exklusive Kollektion beinhaltet vom Ski bis zum Helm alle Teile der Ausrüstung. Textil-Highlight hierbei ist die isolierende Daunenjacke. Sie ist mit Karbonpartikeln angereicherten Kunstfasern gefüllt und wiegt nur 260 g. Der Reißverschluss, über den gerne mal Wärme entweicht, ist ein Dreiviertel-Zipper. Die Jacke ist also eigentlich ein Anorak – ein zusätzlicher Hingucker.

Das Komplettset Carbonio von Dynafit.

Ebenso sollen die neuen Skijacken und Hosen von Völkl bestechen. Der Skihersteller setzt mit seiner Performance Wear gerne modische Maßstäbe. Die On-Piste-Modelle sind in verschiedenen Blautönen gehalten und schützen mit Dermizax-Membran vor Feuchtigkeit und Kälte.

Völkl Performance Wear ganz in Blau. © Völkl – www.gregorios-photography.com

Wintermode hautnah

Sportunterwäsche ist nicht zu unterschätzen. Sie muss trocken halten, wärmen und beweglich sein. Die ESS-Serie von Falke konnte das schon vorige Saison. Aktuell wurde die Wäsche aber nochmals verbessert. Die zweilagige Strick-Konstruktion leitet Flüssigkeit ab und sorgt für Komfort. Dazu sind die Serien für unterschiedliche Anforderungen konzipiert: Die Warm-Tec-Modelle sind mit Merinowolle versetzt, sodass sie auch im feuchten Zustand noch gut isolieren. Die Warm-Linie ist für erhitzenden Ausdauersport bei kalten Temperaturen wie Langlaufen oder Wandern gemacht und die leichte Silk-Wool ist für Sportler mit unterschiedlicher Wärme- und Schweißproduktion bei milden bis kalten Temperaturen geeignet.

Funktionsunterwäsche mit Merinowolle von FALKE.

Merino-Unterwäsche mit kleinen Schäfchen darauf – das passt zu Icebreaker. Die neuseeländische Marke spielt die Wollkarte kommenden Winter wieder sehr formschön aus. Ganz neu sind die Lifestyle-Modelle bei der Underwear und Freizeitjacken mit MerinoLoft. Die Wollisolation besteht aus einer leichten Merino-Isolationsschicht, einem Innenfutter aus purer Merinowolle und einer wasserabweisenden Polyester-Außenschicht. Ebenfalls innovativ ist die Corespun-Technologie, bei welcher der Nylonfaden mit feiner Merinowolle umsponnen ist. Die daraus gewebten Langarmshirts für leistungsorientierte Sportler sind entsprechend robust, weich und geruchsarm.

Das Comet Impulse Langarm-Shirt von Icebreaker mit dem Corespun-Garn.

Unterwäsche an einem Stück bietet bekanntermaßen der Onesie. Mittlerweile gibt es das Trend-Teil in allen Formen und Farben. Uns hat besonders das Modell Super-One-Piece von Norrøna beeindruckt. Es sieht nicht nur farbenfroh aus, sondern bietet mit Powerstretch-Einsätzen und Zipper an den entscheidenden Stellen auch den nötigen Komfort.

Heldenanzug: Super-One-Piece von Norrøna.

Modische Raffinessen

Zum Kuscheln vorm Kaminfeuer oder für einen Spaziergang durch das Schneedorf trägt man am besten einen wollig warmen Pullover. Eine edle Variante bietet hier Reda Rewoolution mit den Oberteilen aus Merino-Fleece. Eine spezielle Waffelstruktur des Stoffes hält besonders warm. Das Merino-Fleece ist bei der Herrenjacke zusätzlich wasserabweisend und das Damenmodell ist mit einem schrägen Kapuzen-Zipper ein Hingucker.

Merino-Microfleece von Reda Rewoolution.

Apropos Zipper: Stöckli hat da ein nettes Gimmik parat. In der neuen Kollektion werden bunte Reißverschluss-Zipper zu den Winterjacken mitgeliefert. Sie setzen mit Pink, Neongelb und Türkistönen gekonnte Farbakzente. Eine besonders „sichere“ Raffinesse präsentiert Rucksack-Hersteller Dakine: die Poacher Vest mit Airbag-Funktion. Die leichte Weste fungiert als Rucksackersatz, kann mit einem passenden Dakine-Protektor bestückt werden und ist mit dem RAS-System von Mammut kompatibel. Sie wird über der Skijacke getragen und hält große Taschen für Lawinen-Piepser, Felle und Co. bereit. Außerdem sollen darin eine Trinkblase und im gepolsterten Rückenfach sogar Schaufel und Sonde Platz haben.

Dakine verstaut Lawinenutensilien in der neuen Poacher-Weste.

Neue Marke in den Startlöchern

Latest news von der ISPO: BlackYak kommt nach Europa. Der südkoreanische Hersteller von Outdoor-Bekleidung verkauft ab Herbst 2016 seine Funktionsjacken und -hosen auch im deutschen Einzelhandel. Bloß nicht noch eine Outdoor-Marke? Laut Managing Director International Business-Europe Maximilian Nortz bringt BlackYak eine starke Innovationskraft und so den entscheidenden Mehrwert mit: das wäre vor allem die Leichtigkeit und das geringe Packmaß der Produkte bei gleichbleibender Wärmeisolierung. Die Kollektion umfasst modern designte Produkte für Extrem-Expeditionen bis zum einfachen Winterspaziergang. Man darf gespannt sein, wie sich der Neuling auf dem hart umkämpften deutschen Outdoormarkt macht.

Mehr zum Thema: ISPO Trends – Teil 1 ISPO Trends – Teil 3

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