ISPO 2015 – Teil 3: Neues bei Helmen, Brillen und Co.

24. Februar 2015 - Katharina Teudt

Im dritten Teil unserer ISPO-Serie stellen wir die innovativsten Neuheiten im Bereich Ski-Zubehör und Accessoires für die Piste vor. Großes Thema ist die Sicherheit am Berg, wo Airbag-Systeme und innovative Helm- und Brillenkonstruktionen im Fokus stehen.

Handschuhe, Brille, Stöcke – zur vollständigen Skiausrüstung gehört viel Zubehör, am allerwichtigsten ist und bleibt aber der Helm. Auch wenn in europäischen Skigebieten noch keine allgemeine Helmpflicht herrscht, sollten Kinder und Erwachsene auf der Piste einen Kopfschutz tragen – Eitelkeit hin oder her. An sportlichen Formen, frischen Farben und hochwertigen Technologien mangelt es bei Skihelmen jedenfalls nicht. Die Entwicklungen an Schalenkonstruktion, Ventilation und Innenleben sind vielfältig und für kommenden Winter wurden gleich mehrere Modelle mit ISPO Awards bedacht.

Preisgekrönter Kopfschutz Das neue Paradestück von Uvex ist das Modell Jakk+ für Freerider. Das Highlight des Hartschalenhelms ist sein Futter mit der neuen Anpassungs-Technologie Octo+. Diese neuartige Polsterung besteht aus länglichen Lamellen, die sich nach dem Aufsetzen des Helms wie die Arme eines Oktopus‘ automatisch an den Kopf ansaugen. Getreu dem Motto „Jeder Freerider hat seinen eigenen Kopf“ passt sich die Polsterung so der individuellen Kopfform an. Da verrutscht nichts mehr. Octo+ ist das erste sich selbst anpassende System auf dem Helmmarkt und wurde in der Kategorie Ski-Zubehör mit einem ISPO Award ausgezeichnet. Darüber hinaus hat der Jakk+ ein ausgeklügeltes, in sich geschlossenes Belüftungssystem, geringes Gewicht, das Helmfutter ist abtrennbar, waschbar sowie anti-allergen und Ohren- sowie Nackenpolster können herausgenommen werden.

Ähnlich innovativ ist das Material im MNT Lab Helmet aus der gleichnamigen Freeride-Serie von Salomon. Die sogenannte EPS 4D-Technologie weist Hohlräume auf, in denen sich das Material bei einem Aufprall ausdehnen kann. Das macht ihn besonders sicher und dank der Materialersparnis auch sehr leicht – etwa 300 Gramm – was bei längeren Aufstiegen ein Segen ist. Außerdem ist die Absorption von Schlägen um 30 Prozent höher als die Norm von Alpinhelmen vorschreibt. Das Modell entspricht sogar den noch strengeren Standards für Kletterhelme. Als Sahnehaube besteht das hochwertige Innenfutter vom MNT Lab aus Merinowolle für besten Klimahaushalt. Dass Kopfschutz auch fast gänzlich ohne Kunststoff auskommt, beweisen die Franzosen von Picture. Ihr Helmmodell Hubber ist zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und recycelten Materialien hergestellt (SnowTrex berichtete) und hat in der Kategorie Eco Achievement den diesjährigen ISPO Award abgesahnt.

Auch der POC Auric ist ein ISPO Award-Gewinner. Mitentwickelt von Profi-Freeskier Aaron Blunck aus dem POC-Team erfüllt das Modell die höchsten Ansprüche von Park & Pipe-Fahrern. Dank ABS-Außenschale ist er leicht, gut ventiliert, und mit den ausgeprägten Seitenpartien sind Ohren und Schläfen zusätzlich geschützt. Das multi-impact-fähige EPP-Material auf der Schaleninnenseite hält auch mehrfachen Erschütterungen stand. Zudem passen unter den Helm locker Mütze, Beanie oder Sonnenbrille und wenn es kälter wird, können bequeme Earpads in die Aussparungen eingeklickt werden.

Sicherheit im Gelände Nur mit Lawinenrettungsausrüstung geht es für Freerider ins Backcountry. Dabei ist der Rucksack mit Lawinenairbag ein notwendiger, aber rein praktischer, wenig ansehnlicher Begleiter. Was nur, wenn man lieber seinen geliebten Skirucksack auf den Berg mitnehmen möchte? Für dieses Dilemma hat sich The North Face in Kooperation mit ABS Airbags eine echte Innovation überlegt: das erste ABS Twin-Bag-System, das mit fast allen Rucksacktypen am Markt kompatibel ist. Der ABS Modulator kann mit wenigen Handgriffen am eigenen Rucksack befestigt werden und sogar der Auslösegriff kann wahlweise am linken oder rechten Träger angebracht werden. Somit geht es sicher und nach dem eigenen Geschmack ins Gelände.

Ein weiterer Sicherheitsaspekt, in den innovative Energie gesteckt wurde, ist der Protektorschutz. Ungestüm fahrende Kinder, Jugendliche im Funpark aber auch Geländefahrer sollten einen Körperschutz tragen, zumindest am Rücken. Für kleine Fahrer hat Rucksack-Anbieter Evoc nun eine wichtige Produktlücke geschlossen: Ein Protektorrucksack für Sportler zwischen ca. 140 und 155 cm Körpergröße. So naheliegend und doch bisher noch nicht entwickelt, ist der FR SKID der erste seiner Art und eignet sich auch wunderbar für Kinder. Das wichtigste Feature des Rucksacks ist der ultraleichte, CE-geprüfte Liteshield Rückenprotektor (EN 1621-2), der vom TÜV SÜD getestet und zertifiziert ist und zu Recht mit einem ISPO Gold Award ausgezeichnet wurde.

Wer beim Daypack auf den Rückenschutz verzichten kann, findet bei Herstellern wie Dakine, Salewa, Gregory oder Ortovox zahlreiche Rucksackgrößen in knalligen Farben und teilweise mit abgefahrenen Motiven. Auch der Retrolook mit Filzpartien, Riemenschnallen und Lederapplikationen ist schwer im Trend. Dabei sind dichte Zipper und imprägniertes Obermaterial obligatorisch, so dass die Modelle auch den Tag am Berg mitmachen.

Stock-News Im Skistock-Bereich sind die Weiterentwicklungen auf die vielseitige Geländetauglichkeit ausgerichtet. Was Teleskopstöcke und faltbare Modelle angeht, ist Komperdell ganz vorne dabei. Ganz neu bei den Österreichern ist die Serie Stilleto. Bei den Teleskopstöcken sitzt das Verstellsystem direkt am Griff. Seine Länge kann bequem per Knopfdruck geändert werden, so dass sich das lästige Fummeln mit oder gar ohne Handschuhen erübrigt. Das deutsche Traditionsunternehmen Leki ist vor allem für seine Kompetenz im Rennsport bekannt, hat aber diesmal auch knallbunte Modelle für Freerider im Gepäck. Schlaufen, Griff, Rohr und die extra großen Big-Mountain-Teller der Blue Bird-Serie sind farblich abgestimmt und werden mit dem Trigger-S-System zum technischen wie modernen Gelände-Stock abgerundet.

Neue Goggle für Aufstieg und Abfahrt Skibrillen gibt es auf der ISPO wie Sand am Meer. Und jede ist in Rahmenform, Scheibentechnologie und Design ein einzigartiges Produkt. Hier sei stellvertretend ein ausgefallenes und brandneues Modell genannt, das verdientermaßen einen ISPO Gold Award erhielt: die Klima-regulierende Brille Aerospace des französischen Herstellers Julbo. Sie ist die erste Goggle, die bei Auf- und Abstieg gleichermaßen gut funktioniert. Die Besonderheit ist das SuperFlow-System, bei dem man die Scheibe nach vorne schieben kann, so dass ein Spalt zwischen Rahmen und Scheibe entsteht, um mehr Luft ins Innere zu leiten. Die Augen bleiben währenddessen weiterhin komplett und sicher vor der Sonne geschützt. Bei der Abfahrt schiebt man die Scheibe einfach wieder zurück an den Goggle-Rahmen.

Modische Accessoires Wärmende Handschuhe und schützende Halstücher sind nicht nur auf der Piste unverzichtbar. Neben der technischen, wasserdichten Ausstattung liefern viele Marken ebenso modisch orientierte Modelle, die teilweise mit unzähligen Mustern und Farbkombinationen die Messestände füllen. Edle Materialien wie robustes Ziegen- oder Rindsleder sind zum Beispiel bei Hestra keine Seltenheit. Bei Schal und Halstuch hat sich die spanische Marke Buff extrem erweitert. Von Disney-Motiven für Kinder über ergonomisch geschnittene Balaclavas bis Strass-Steinchen besetzte Tücher für Frauen ist alles dabei. Hunderte Designs für Kinder und Erwachsene sind bereits am Markt und jede Saison kommen weitere hinzu.

Zukunft des Filmens Auf einer so großen Messe wie der ISPO gibt es neben den etablierten Herstellern auch eine Fülle an neuen Marken, die mit Innovationen zu überraschen wissen. Im Bereich Ski-Zubehör ist dies vor allem LUUV gelungen. Mit dem Siegeszug der Helmkamera war es nur eine Frage der Zeit, bis diese neuartige Kamerahalterung entwickelt wurde. Das Product of the year in der Kategorie Action ist ein Schwebestativ mit Drei-Achs-Stabilisierung. Action- und Kompaktkameras, aber auch Smartphones werden auf das Plug & Play-System montiert und können dann in einer Hand getragen und mit zwei Fingern bedient werden. Das LUUV ist voraussichtlich schon ab Sommer 2015 lieferbar und ein Must-have für alle Actioncam-Junkees und Hobby-Filmer.

Das revolutionäre Kamera-Stativ LUUV © LUUV Forward GmbH

Der Nachtskilauf wird mittlerweile in vielen Skigebieten angeboten und auch das Skitouring nach Feierabend erfreut sich großer Beliebtheit. Bei solchen Aktivitäten ist eine Stirnlampe unerlässlich. LED Lenser hat für Bergsportler das passendes Produkt parat. Die Xeo 19R besitzt zwei unabhängig voneinander fokussierbare Reflektorlinsen und strahlt mit ihren 2000 Lumen bis zu 300 m weit. Dank Temperatursensor und passiver Kühlung laufen die starken LEDs nicht heiß. Nach dem Skifahren ist vor dem Après-Ski. Raus aus den harten Skischuhen und rein in die bequemen Smart Boots von Xnowmate. Die Winterstiefel sind sehr bequem, aber mit wasserdichtem Obermaterial, warmer Thinsulate-Isolierung und softer Gummisohle auf für das Schneestapfen geeignet. Der Clou: Sie sind faltbar und sehr leicht, so dass sie in jede Tasche passen.

Xeo 19R © Led Lenser

Rodeln 2.0 Auch das Rodeln wird revolutioniert. Der Pistenbock ist ein moderner Lenkschlitten, der das Rodeln 2.0 verspricht. Exakt lenken, sicher bremsen und sogar mit dem Schlepplift fahren – all das kann das moderne Fahrgestell der bock machining GmbH aus dem bayerischen Alzenau. Der Schlitten soll auf allen Untergründen und Steigungen optimal kontrollierbar sein. Ziel des Unternehmens ist es, den Pistenbock als gleichwertiges Fahrgerät neben Ski und Snowboard auf der Piste zu etablieren. Zusätzliche Features wie Beleuchtung fürs Nachtrodeln und ein Adapter für den Sessellift sind separat erhältlich. Das ISPO Award-prämierte Produkt ist als Solo-Einsitzer, Duo-Zweisitzer und als Kindermodell (bis 50 kg) erhältlich.

Nie mehr die eigenen Skier suchen Ein neuartiges und wirklich sinnvolles Tool für alle Tiefschneefahrer und solche, die gerne mal ihre Skier verlegen ist der Ski Tracer. Mit einem gut haftenden Klebestreifen wird das kleine Modul vor der Bindung auf dem Ski befestigt. Geht der Ski verloren, kann man ihn mithilfe einer Smartphone-App auf bis zu 300 m weit orten. Das ewige Suchen nach dem Ski im Tiefschnee ist damit endlich passé.

Ski Tracer © Atomic

Noch mehr Produktnews und Informationen zu den ISPO Award-Gewinnern gibt es auf www.ispo.com.

Zum Thema:

ISPO Trends – Teil 1 ISPO Trends – Teil 2

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