Grüne Mode auf weißer Piste – der Eco-Trend in der Wintersportbekleidung

3. Februar 2015 - Katharina Teudt

Skioutfits sollen möglichst funktionell und modisch sein. Doch fast genauso wichtig ist immer mehr Wintersportlern der Aspekt der umwelt- und sozialfreundlichen Herstellung. Junge Outdoormarken wie Picture oder Pyua beweisen, dass Funktionsbekleidung auch nachhaltig sein kann.

So farbenfroh und funktionell kann Eco-Kleidung sein. © Pyua

Zu den wichtigen Eigenschaften von Wintersportbekleidung zählt mittlerweile ihre Nachhaltigkeit: ökologisch einwandfreie Kleidung auf der Piste ist „in Mode“. Es gibt Skijacken, Snowboardhosen und sogar Skihelme aus nachwachsenden Rohstoffen und recycelten Materialien. Die Hersteller entwickeln dazu unterschiedliche Ideen. Da werden PET-Flaschen und Kokosnuss-Fasern zu Membranstoffen oder Textilreste zu Futteralen verarbeitet. Hinter den Begriffen „Bio“ und „Nachhaltigkeit“ steckt allerdings mehr als nur die neuartige Verarbeitung untypischer Rohstoffe. Zu einer einwandfrei nachhaltigen Produktion zählen auch die Herkunft der Rohstoffe, ihre umweltschonende Aufbereitung sowie das Wohl der Arbeiter, die die Materialien verarbeiten bzw. zuliefern. Dass diese hohen Ansprüche in den globalen Prozessen der Textilindustrie schwerlich zu prüfen, geschweige denn einzuhalten sind, ist durchaus bekannt. Gerade deshalb setzen sich immer mehr Unternehmen für Transparenz in den Produktionsprozessen ein und unabhängige Institutionen fördern und zertifizieren mit ihren Gütesiegeln eine faire und umweltschonende Herstellungs- und Lieferkette.

Wichtige Kontrollinstanzen Die wohl bekannteste „Prüfplakette“ für behandelte Textilien ist das Öko Tex 100, den meisten Verbrauchern als eingenähtes Etikett mit dem Aufdruck „Textiles Vertrauen“ bekannt. Es weist auf die Schadstoffprüfung der verarbeiteten Textilstoffe hin, welche strengen Kriterien unterliegt. Noch einen Schritt weiter geht das schweizerische Unternehmen bluesign technologies ag. Ihr bluesign® system, das weltweit strengste System, bietet die Komplettlösung für eine nachhaltige Herstellung von Textilien. Umweltbelastende Substanzen werden von Beginn an aus dem Fertigungsprozess ausgeschlossen, was eine umweltfreundliche und sichere Produktion und den reduzierten Verbrauch von Energie und Wasser einschließt. So hält das Endprodukt den strengsten Verbraucherschutz-Anforderungen weltweit stand und gibt dem Konsumenten das Vertrauen, ein nachhaltig hergestelltes Produkt zu tragen.

Auf faire und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie hat die FairWear-Foundation ein genaues Auge. Dieser Non-Profit-Organisation sind bereits viele Marken der Outdoorbranche beigetreten. Diese und weitere Organisationen fordern und fördern die Produktion nachhaltiger Sportbekleidung und erfreulicherweise ziehen die Markenhersteller dabei mit.

Funktion durch Chemie? Im Jahr 2013 geriet die Sportartikelindustrie in Aufruhr, als Greenpeace ein Dutzend Outdoor-Artikel verschiedener Marken testete, die beinahe alle mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) belastet waren. Ohne eine gewisse chemische Behandlung ist jedoch die hohe Funktionalität der Textilien nicht gewährleistet. Wer also eine wasserdichte und gleichzeitig atmungsaktive Jacke wünscht, muss eine chemische Behandlung in einem gewissen Rahmen hinnehmen. Viele Hersteller wie etwa die Outdoormarke Vaude bemühen sich längst um chemische Alternativen für Imprägnierung und Co., und auch die unterschiedlichen Prüflabel mit dem positiven „Eco“ oder „Sustainability“ im Namen tauchen bei immer mehr Marken auf. Ein positiver Trend, den sich junge Marken von Beginn an auf die Fahne geschrieben haben.

Eco-Mode auf Französisch Ein gutes Beispiel für den funktionierenden Öko-Trend ist die französische Marke Picture Organic Clothing. Seit ihrer Gründung in 2009 hat sich die Marke mit dem Tannenbaum-Logo stark entwickelt. Ihr Erfolgsrezept basiert auf den gefragten Aspekten einer nachhaltigen Produktion mit recycelten und ökologischen Textilien. Dazu spricht das junge, umweltfreundliche Image mit bunten und lässigen Designs vor allem konsumfreudige Youngsters an. Picture lässt sich vom Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifizieren, dass ihre verwendeten Textilien zu 100 Prozent aus Bio-Baumwolle herstellt. Außerdem arbeitet Picture eng mit einer Produktionsfirma zusammen, die zwar in Taiwan sitzt, aber ihre Polyesterstoffe aus PET produziert und somit garantiert, dass die Funktionsstoffe zumindest zu 50 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt sind. In 2014 produzierte Picture mit dem Modell Hubber als erste Marke sogar einen Bio-Skihelm. Seine Schale besteht aus einem Mais-Polymer und die Polsterung stammt teilweise aus Stoffresten aus der Automobil-Industrie. Angefangen als reine Bekleidungsmarke weitet Picture sein Sortiment auf ökologischer Basis nun aus – vielleicht irgendwann bis zum Gesamtanbieter für Skiausrüstung.

Pyua produziert nachhaltige Mode für Wintersportler. © Pyua

Nachhaltig durch Recycling-Kreislauf Ein weiteres Unternehmen, das sich seit 2007 der ökologischen und sozialen Verantwortung stellt, ist Pyua. Die Marke aus dem norddeutschen Kiel ist Mitglied der FairWear-Foundation, ist bluesign-zertifiziert und produziert ausschließlich in Europa. Das Motto: Kürzere Wege, gesündere Umwelt. Ein besonderes Merkmal ist der geschlossene Recycling-Kreislauf (Closed-Loop-Recycling), in dem aus alten Produkten wieder neue hergestellt werden. Die Verbraucher können über die Altkleidersammlung und Sammelboxen bei Pyua-Händlern ihre alten Polyestertextilien zurückgeben. Dadurch soll der ökologische Fußabdruck miniert und Energie- und Rohölverbrauch, die Müllproduktion sowie die CO²-Emission reduziert werden. Ein ähnliches Kreislaufsystem bietet seit Kurzem auch Picture an, bislang allerdings nur in Frankreich.

Ökologische Vorreiter Als Vorreiter im Eco-Segment gilt die Schweizer Boardsportmarke Zimtstern. Seit 1995 sind die Jungs im Geschäft und produzieren erfolgreich bluesign-zertifizierte Action-Sport-Bekleidung, teilweise auch aus recycelten Polyester. Schon mehrfach wurde das Label für seine ökologischen Produkte im Wintersportbereich ausgezeichnet. Mit Vaude, Pyua oder Picture geht der Eco-Trend nun in die nächste Runde, insgesamt kann man von einer neuen Ära der nachhaltigen Bekleidungsindustrie sprechen. Die hier vorgestellten sind schließlich nur einige der Outdoormarken, die sich einer grünen Produktion verschrieben haben. Es ist zu hoffen, dass die gesundheitsbedenklichen Chemikalien aus dem Herstellungsprozess komplett verbannt werden und alle Teilhaber in der Produktionskette angemessen behandelt und entlohnt werden. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der aber immerhin schon betreten wurde.

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